Kreisverwaltung Wetterau

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Aus den Annalen des Kreisarchivs: Verdächtige Arbeiter sind in ihre Heimat zu verweisen

Man schreibt das Jahr 1851, in Frankreich regierte die Zweite Französische Republik seit drei Jahren. Im Sommer 1851 mussten viele deutsche Exilanten Paris verlassen, da Louis Napoleon die Revolutionäre am Vorabend des von ihnen geplanten Staatsstreichs des Landes verweisen ließ.

 Die Großherzoglich-hessische Regierungskommission des Regierungsbezirks Friedberg reagierte im Amtsblatt 14 von 1851 mit klaren Vorgaben an die Bürgermeister und Polizeicommissäre sowie an die großherzoglichen Gendarmen des Regierungsbezirks.

 „Betreffend die Handwerksgesellen, insbesondere deren genaue Beaufsichtigung“, heißt es im Amtsblatt vom 20. Oktober 1851: „Nachdem die französische Regierung die Ausweisung aller nicht gehörig legitimierten Ausländer aus Paris und Frankreich angeordnet, hat sich das Großherzogliche Ministerium des Innern veranlasst gesehen, wegen dieser Personen folgendes zu verfügen:

 1.    Allen denjenigen, welche aus Frankreich ausgewiesen worden sind, ist der Eintritt in das Großherzogthum nur dann zu gestatten, wenn sie entweder gehörige Ausweise über ihre Heimath besitzen, oder sich als Inländer auszuweisen, oder wenigstens ihre Eigenschaft als Inländer wahrscheinlich zu machen vermögen. Können sie diesen Erfordernissen nicht genügen, so sind sie alsbald über die Gränze zurückzuweisen.

2.    Angehörigen eines anderen deutschen Staates, welche aus Frankreich ausgewiesen worden sind, ist der Eintritt in das Großherzogthum zwar dann zu gestatten, wenn sie mit gehörigem Ausweise über ihre Heimat versehen sind und der nächste Weg in ihre Heimath durch das Großherzogthum führt; es ist ihnen aber die kürzeste Route vorzuschreiben und dies in ihren Legitimationspapieren zu bemerken. Weichen sie von dieser Route ab oder verweilen sie länger im Großherzogthum, als nötig ist, so sind sie nach einmaliger, in ihre Legitimationspapiere zu notirender Verwarnung bis an die Gränze zu schuben.

 3.    Diejenigen, welche sich als Inländer auszuweisen vermögen und aus Frankreich ausgewiesen wurden, sind mittels Laufpasses auf der nächsten Route in ihre Heimath zu verweisen und ist ihre Heimathbehörde davon, sowie deren Ausweisung aus Frankreich Nachricht zu geben.

 Solche Fremde, insbesondere Arbeiter, die ohne Ausweise über ihre Heimath oder unter sonst verdächtigen Umständen im Lande betreten werden, sind ohne Aufenthalt mittels Laufpasses auf die nächste Route über die Gränze in ihre Heimat zu verweisen und unter Umständen bis an die Gränze schieben zu lassen.“

veröffentlicht am: 11.08.2017

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