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Teilhabeassistenz - Becker-Bösch zieht Erfolgsbilanz

Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch zieht nach vier Jahren eine positive Bilanz für die Modellregion inklusive Bildung

Vier Jahre Modellregion inklusive Bildung bedeuten vier Jahre Erfahrung der Jugend- und Eingliederungshilfe mit der schulischen Inklusion, das heißt der Inklusion in das Regelschulsystem. Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch zieht eine Bilanz der letzten vier Jahre.

Inklusion braucht Zeit. In den vier Jahren Modellregion wurden mit der Unterstützung von fast 2.000 Teilhabeassistenzen über alle vier Jahre genauso viele Schülerinnen und Schüler im Regelschulunterricht begleitet und inkludiert. Dennoch sind weitere Schülerinnen und Schüler in Schulformen, welche die Inklusion nicht unmittelbar befördern.

Was ist eine Teilhabeassistenz?

Ein Beispiel: Boris hat eine festgestellte seelische Behinderung. Er hat große schulische Probleme und aufgrund einer Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung ist seine Teilhabe am Schulunterricht erheblich beeinträchtigt. Er benötigt vor allem in seinem Arbeitsverhalten eine Begleitperson (Teilhabeassistenz) um zum Beispiel selbständig Arbeitsanweisungen zu erfassen und zu erfüllen. Auch die Organisation von Schulmaterialien muss er mit Hilfe der Teilhabeassistenz erlernen.

Durch die regelmäßige Anwesenheit der Teilhabeassistenz im Unterricht erlernt der Junge zunehmend den Schulalltag selbständig zu erfassen. Die Teilhabeassistenz  geht mit ihm regelmäßig die Schulsachen durch, im Unterricht sitzt sie neben dem Jungen und unterstützt ihn darin, dem Unterricht folgen zu können.

Dies führt zu einer Selbständigkeit, die Konzentration auf den Unterricht verbessert sich, ebenso die Stärkung des Selbstbewusstseins und die Lernmotivation. Auch seine Stellung innerhalb der Klasse. Nach erfolgter Integration in den Schulalltag benötigt Boris immer weniger Teilhabeassistenz.

Jeder Euro ist gut angelegt

„Der Wetteraukreis steht im Bereich der Teilhabeassistenzen sehr gut da. Etwas mehr als 24.660.000 Euro wurden im gesamten Zeitraum für diese Hilfe aufgewendet, dies bedeutet pro Kind rund 1.000 Euro im Monat. Davon ist jeder Euro gut angelegt und ich bin sehr zufrieden, dass so viele Kinder in den Regelschulen mit individueller Unterstützung beschult werden können“, so Stephanie Becker-Bösch. „Mit den Teilhabeassistenzen, der Kooperationsstelle Inklusion und der - auch inklusiv ausgerichteten - Sozialarbeit in Schulen tragen wir im Wetteraukreis dazu bei, junge Menschen am gemeinsamen Schulunterricht teilhaben zu lassen. Dennoch, es sind noch zu viele junge Menschen vom gemeinsamen Unterricht ausgeschlossen. Hier bedarf es einer Weiterentwicklung, es braucht einen ganzheitlichen, systemischen Ansatz, die Verknüpfung der Hilfen in und um Schule. Ich werde mich dafür einsetzen, die Optimierung des Hilfesystems zum Wohl der Kinder voranzubringen.“

Teilhabeassistenzen unterstützen auch Kinder mit körperlichen Einschränkungen, wie zum Beispiel Celina, zwölf Jahre alt. Sie hat eine ausgeprägte Hörbehinderung. Sie zeigt ein hohes Leistungspotenzial, neigt aber aufgrund des altersangemessenen Geräuschpegels in der Schule zu Stress und Erschöpfung. Durch die Teilhabeassistenz lernt Celina den Umgang mit technischen Hilfsmitteln, wie spezielle Lautsprecher und ein Mikrofon. Sie lernt auch, mit dem in der Schule umgebenden Geräuschpegel besser umgehen zu können. Ziel ist, dass Celina mit zunehmenden Alter Hilfsmittel alleine bedienen und auf lange Sicht völlig autonom den Alltag bewältigen kann.

Becker-Bösch: „Inklusion ist ein Dauerthema“

„Mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention im März 2009 wurden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Bundesrepublik Deutschland sich aktiv um die volle gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen bemüht. Inklusion bedeutet Nicht-Ausgrenzung, Respekt und Toleranz dem anderen Gegenüber, das Recht auf selbstbestimmte Teilhabe, ohne aufgrund von Behinderung benachteiligt zu werden. Ich bin mir darüber klar, dass wir in der Wetterau noch einige Zeit brauchen werden, um Inklusion als etwas Alltägliches in allen Bereichen und Facetten unseres Miteinanders anzunehmen. Inklusion findet überwiegend im Kindergarten und im schulischen Bereich statt. Die anderen Lebensbereiche werden verstärkt folgen. Inklusion ist keine Eintagsfliege sondern ein Dauerthema, dem ich mich mit viel Engagement in meiner täglichen Arbeit stelle“, ist das Fazit von Stephanie Becker-Bösch.

veröffentlicht am: 13.02.2018

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