Miefampel: Modellversuch in 90 Wetterauer Schulklassen
Miefampel: Modellversuch in 90 Wetterauer Schulklassen
Mit Hilfe von Sensoren für Mischgas können schlechte Luftverhältnisse in Klassenräumen optisch angezeigt werden. "Wir wollen über das Lüftungsverhalten die Qualität der Raumluft verbessern und gleichzeitig Energie einsparen", erläutert Landrat Joachim Arnold die "Aktion Miefampel".
Petra Stürtz, Leiterin der Fachstelle Hochbau des Eigenbetriebes Gebäudewirtschaft, erläutert Landrat Joachim Arnold die Funktionsweise der Miefampel.
Es ist die klassische Situation, die in der Winterzeit in den Klassenräumen entsteht: Draußen ist es kalt, die Heizung läuft auf vollen Touren. Man will Energie einsparen und das Fenster nicht kippen. Derweil wird die Luft immer schlechter und die Konzentration nimmt im gleichen Maße ab. Verantwortlich dafür ist vor allem die Konzentration von Kohlendioxid, also verbrauchter Atemluft in den Klassenräumen. Die Richtlinie für Schulräume sieht maximal 1.500 ppm (parts per million = Teilchen pro Million) vor. Nach Angaben des Umweltbundesamtes treten ab 2.000 ppm Müdigkeitserscheinungen auf, gesundheitliche Schäden sind aber erst bei einer Konzentration von mehr als 15.000 ppm zu erwarten. "Diese Werte werden in unseren Klassenräumen längst nicht erreicht, aber auch Werte um 3.000 ppm sind alles andere als optimal für das Lernklima in den Schulen", so der Wetterauer Landrat.
Rotes Licht heißt Fenster auf!
Doch die menschliche Luft setzt sich nicht nur aus Sauerstoff und Stickstoff als Hauptbestandteile und Kohlendioxid zusammen, sondern auch Argon, Wasserstoff, Neon, Helium, Krypton und Xenon sind Bestandteile trockener, reiner Luft. Eine hohe CO 2 -Konzentration ist Indikator für die vom Menschen verursachte Geruchsbelastung, aber ein niedriger Kohlendioxid-Gehalt hat längst jedoch keine Aussagekraft über die tatsächliche Qualität der Raumluft. Deshalb ist es das Ziel, alle Stoffe, die die Luftqualität beeinflussen, zu erfassen. Dies geschieht mit Hilfe so genannter Mischgassensoren, die Luftverunreinigungen, aber auch Ausdünstungen, Tabakrauch, Kohlenmonoxid und anderes messen können. "Mit Hilfe optischer Signale gibt die Miefampel das Zeichen für eine Stoßlüftung", erklärt Arnold.
Bessere Luftqualität und niedrigerer Energieverbrauch
"Das A und O für eine optimale, gleichzeitig aber auch energiesparende Lüftung ist eine Stoßlüftung bei weit geöffnetem Fenster, mit dem ein schneller Sauerstoffaustausch im gesamten Raum erzielt werden soll", erläutert Arnold. In Feldversuchen, wo Klassenräume unkontrolliert gelüftet worden sind, wurde im Vergleich zu kontrollierter Lüftung mit Hilfe der Miefampel festgestellt, dass die Qualität der Raumluft in den kontrolliert gelüfteten Klassenräumen durchgängig wesentlich besser ist. Gleichzeitig lagen die Energiekosten hier um zehn bis 20 Prozent niedriger, als wenn unkontrolliert, insbesondere durch gekippte Fenster, gelüftet wird.
"Wir werden in 90 Klassenräumen solche Miefampeln einsetzen und die Erfahrungen nach der Heizperiode auswerten", kündigte Landrat Arnold an, der den Kampf gegen den Klimawandel zur Chefsache erklärt und selbst die Leitung des Sonderinvestitionsprogramms Schulen übernommen hat.




