Hochwasserschutz an der Oberen Nidda: Interview mit Verbandsvorsteher Oswin Veith

Hochwasserschutz an der Oberen Nidda: Interview mit Verbandsvorsteher Oswin Veith

Hochwasserschutz an der Oberen Nidda: Interview mit Verbandsvorsteher Oswin Veith


An der Oberen Nidda geht eine 40jährige Planung zu Ende. Im Eichelbach wird ein Hochwasserrückhaltebecken gebaut, das die Gefahr eines 100-jährlichen Hochwassers erheblich reduziert. In einem Interview geht Verbandsvorsteher Oswin Veith näher auf Hintergründe und Funktionsweise des Beckens ein.

Frage: Herr Veith, warum ist diese Hochwasserschutzmaßnahme an der oberen Nidda so wichtig?

Antwort: Mit dem Spatenstich im September des vergangenen Jahres konnten wir eine 40-jährige Planung und Diskussion endlich abschließen. Das Signal ist eindeutig – jetzt wird gehandelt!

Frage: Das heißt konkret?

Antwort: Konkret heißt das, dass wir im Eichelbach ein Hochwasserrückhaltebecken errichten, das die Gefahr eines 100-jährlichen Hochwassers erheblich reduziert.

Frage: Was muss man sich darunter vorstellen?

Antwort: Das ist eine sehr technische Frage. Mit dem Hochwasserrückhaltebecken werden wir die rein rechnerische Durchflussmenge von 30 Kubikmeter in der Sekunde auf 19 Kubikmeter in der Sekunde reduzieren. In Verbindung mit dem Ausbau des Flutgrabens in der Stadt Nidda versetzen wir den Fluss in die Lage, solche Wassermengen aufzunehmen und schadlos durch die Stadt zu leiten. Unterhalb kann der Fluss durchaus über die Ufer treten.

Frage: Was heißt dies konkret?

Antwort: Das Land Hessen hat bewusst Überschwemmungsgebiete auf unbebauten Flächen ausgewiesen, auf denen sich der Fluss bei Hochwasser ausbreiten kann und soll. Dadurch wird die Spitze einer Hochwasserwelle gekappt, was von Vorteil für die weiteren Flussanrainer ist. Überschwemmungsgebiete liegen etwa zwischen Nieder-Florstadt und Staden und im Gebiet von Ranstadt/Dauernheim, wobei wir auch hier durch eine Hochwasserschutzmaßnahme den Ort selbst vor Überflutung sichern wollen.

Frage: Wie weit sind die Arbeiten bis jetzt vorangekommen?

Antwort: Mit dem Start der Bauarbeiten im September haben wir zunächst einmal damit begonnen, den Boden auszutauschen. Das heißt, wir holen Boden aus dem benachbarten Gierbachtal zum Dammbau, weil der Boden sich hier besser zur Abdichtung eignet, als das Bodenmaterial im Eichelbachtal. Die Arbeiten verlaufen im Plan. Die Bodenplatte sowie ein Teil der Flügelwände des Durchlassbauwerkes aus Beton sind schon erstellt. Hier haben wir mittlerweile 350 Tonnen Stahl und 2.000 Kubikmeter Beton eingebaut.

Frage: Welche Wirkung wird die Rückhaltung im Eichelbachtal haben?

Antwort: Diese Baumaßnahme reicht weit über das Eichelbachtal und die Stadt Nidda hinaus. Wir versprechen uns hier Wirkungen bis hin nach Ranstadt/Dauernheim und weil auch das Land das so sieht, wurde die Baumaßnahme als überörtlicher Hochwasserschutz mit bis zu 75 Prozent aus Landesmitteln gefördert.

Frage: Wann sind die Arbeiten fertig gestellt?

Antwort: Ich gehe davon aus, dass wir Ende Februar 2011 alle Arbeiten abgeschlossen haben und dann einen sicheren Hochwasserschutz für die Obere Nidda gewährleisten können.

Frage: Wir hatten ja jetzt auch ein Hochwasserereignis…

Antwort: Ja, und das Regierungspräsidium als Aufsichtsbehörde hat die exakte Steuerung der Hochwasserschutzanlage in Düdelsheim durch den Betreiber, den Wasserverband Nidder-Seemenbach gelobt. Es wurde genau so viel Wasser aus dem Becken abgelassen, wie der Unterlauf mit seinen Anliegern noch verkraften konnte, ohne Schäden zu verursachen. Ich möchte ganz ausdrücklich die Mitarbeiter der Wasserverbände NIDDA und Nidder-Seemenbach für die umsichtige Steuerung und Überwachung der Anlagen bei diesem Ereignis loben. Dies alles mit der dünnen Personaldecke und dem geringen finanziellen Budget zu leisten, ist ein gutes Beispiel für funktionierende interkommunale Zusammenarbeit in Form eines Verbandes.


Erstellt am: 2010-03-11