Schäfer in der Wetterau: Kurt Lind
Schäfer in der Wetterau: Kurt Lind
Mehr als vier Millionen Euro werden in den kommenden fünf Jahren in den Erhalt der Hutungen der Wetterauer Trockeninsel fließen. Diese befinden sich nicht etwa auf einem vom Meer umtosten Eiland, sondern dies ist die Bezeichnung für ganz besondere Flächen - nämlich Magerrasen, die für die Landwirtschaft eher uninteressant sind, weil sie schwer oder gar nicht zu bewirtschaften sind und sich eigentlich nur als Weideland für Schafe und Ziegen eignen. Dabei bieten sie vielen seltenen Pflanzen und Tieren einen Lebensraum.
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Kurt Lind mit seinem Hütehund Baldini, einem Harzer Fuchs
Weil solche Flächen zunehmend zu verbuschen und damit verloren zu gehen drohen, andererseits aber auch die wirtschaftliche Situation vieler Schäferbetriebe ungünstig ist, braucht es zum Erhalt solcher Flächen öffentlicher Unterstützung. Dies geschieht durch das LIFE-Projekt "Wetterauer Hutungen", das aus Mitteln der EU mit zwei Millionen Euro und mit der gleichen Summe vom Land Hessen und mit kleineren Anteilen vom Wetteraukreis, den Städten Nidda und Hungen sowie mit Unterstützung von OVAG, Sparkasse Laubach-Hungen und Sparkassenstiftung Oberhessen unterstützt wird. "Ich bin froh, dass wir dieses Projekt umsetzen können. Damit stärken wie die Wetterau in touristischer Sicht. Gemeinsamt mit den Schäfern trägt es dazu bei, besonders wertvolle Naturräume zu erhalten", freut sich der Wetterauer Landrat Joachim Arnold.
In einer kleinen Serie stellen wir drei typische Schäfer in der Wetterau vor.
Kurt Lind: Es wäre schade, wenn es keine Schafe mehr geben würde
Bei Kurt Lind zu Hause sieht es so ganz und gar nicht wie bei einem Schäfer aus. Das liegt vielleicht auch ein bisschen daran, dass Kurt Lind gar kein richtiger Schäfer ist. Mit seinen 59 Schafen zählt er eher zu den Hobbyzüchtern. Von den Vollerwerbs-Schäfern wird er als einer der ihren anerkannt und wurde in den letzten Jahren gar zu deren Sprachrohr. "Die haben für Öffentlichkeitsarbeit gar keine Zeit. Deshalb mache ich das. Denn irgendjemand muss es ja machen, sonst gibt es bald keine Schafe mehr und das wäre doch wirklich schade", erklärt Kurt Lind.
Schafe bauen Stress ab
Kurt Lind ist ein kommunikativer Mensch. Der 68-jährige gelernte Landwirt hielt in den 60er Jahren schon Schafe. Mit seinem Job als Schichtleiter und stellvertretender Abteilungsleiter in einem großen Industriebetrieb in Nidda war das aber irgendwann nicht mehr zu vereinbaren. Erst als die Rente näher kam, legte er sich wieder Schafe zu. Auf Rhönschafe hat sich Kurt Lind spezialisiert. Schafe überhaupt haben für ihn etwas Faszinierendes. "Das sind Tiere, die einfach Spaß machen. Wenn ich Stress habe, dann nehme ich mir einen Strohballen und setze mich in den Stall. Bald kommen die Tiere näher und ich kann mich entspannen. Das Schaf hält aber, anders als der Hund, immer Abstand. Es wird auch nicht so aufdringlich wie des Menschen bester Freund", erläutert Kurt Lind.
Zu Rhönschafen hat Kurt Lind ein besonderes Verhältnis. Er findet: "Sie sind der Adonis unter den Schafen!" Ein schwarzer Kopf und ein weißer Körper, das gibt einfach ein herrliches Bild ab. Dazu sind sie genügsam und pflegeleicht. Sie gelten als marschfähig und können auch einmal 20 Kilometer laufen und haben im Gegensatz zu vielen anderen Schafen weniger Probleme mit den Klauen.
In der Wetterau wird eine Vielzahl von verschiedenen Schafrassen gezüchtet
Die Domestizierung des Schafes begann vor rund 10.000 Jahren in Kleinasien und hat sich von dort über ganz Asien und Europa verbreitet. Die Zahl der Rassen geht in die Dutzende Auch in der Wetterau wird eine Vielzahl von verschiedenen Schafrassen gezüchtet. Vom Suffolk-Schaf über Heidschnucke, Merino-Landschaf, Rhönschaf, Fuchsschaf, Schwarzköpfiges Fleischschaf, Kameruner Haarschaf, Skudden, Rauhwolliges Pommersches Landschaf, Texelschaf, Tiroler Bergschaf und eine Unzahl von Kreuzungen. Hauptsächlich aber werden die Merino-Landschafe und die Schwarzköpfigen Fleischschafe und etwas weniger Rhönschafe und Suffolks gezüchtet.
Kurt Lind koppelt seine Schafe. Das heißt, sie werden nicht von Weide zu Weide getrieben und von den Hunden zusammengehalten, sondern mittels eines Elektrozaunes in einer Koppel abgestellt, wo sie zielgerichtet den Bewuchs kurz halten. Kurt Lind ist ein Aktivist in Sachen Lammmarketing. Er erinnert sich, dass er zu seinem 60. Geburtstag Freunde und Bekannte zu einem Lammmenü in ein Restaurant einladen wollte. "Ich wollte aber, dass mein eigenes Lammfleisch zubereitet wird und nicht irgendwelches tiefgefrorene Fleisch aus Neuseeland. Da habe ich aber statt auf zartes Lammfleisch bei vielen Gastronomen auf Granit gebissen." Das war so eine Art Initialzündung für Kurt Lind.
Mittlerweile hat sich die Situation gebessert, manch einer kommt auf den Genuss. Überzeugt wird jeder, der einmal an einem kulinarischen Schäfertreffen teilgenommen hat. Diese finden zwei Mal im Jahr statt, kurz vor Ostern und dann noch einmal Mitte September. Bei einem Fünf-Gänge-Lammmenü bleibt kein Wunsch unerfüllt. Immer mehr nehmen an diesen Schäfertreffen teil, längst nicht nur Schäfer, sondern auch Feinschmecker, die auf das Lamm kommen.
Kurt Lind ist geistiger Vater des "Wetterauer Land- und Lammgenuss", der im vergangenen Jahr erstmalig mit großem Erfolg stattgefunden hat und auch in diesem Jahr eine Wiederholung erfährt. "Das verwundert auch überhaupt nicht, denn die Qualität aus der Region überzeugt und ist auch ökologisch sinnvoll, weil weite Transportwege entfallen", so abschließend der Wetterauer Schäfer.
Rezept
Zarte gefüllte Lammschulter mit einer kräftigen Thymianjus
- eine ausgelöste Lammschulter
Füllung
- 500 Gramm Hackfleisch,
- 50 Milliliter Sahne
- 2 Eier
- 1 eingeweichtes Brötchen,
- Salz, Pfeffer, Kräuter der Provence
Röstgemüse
- 1 Karotte, klein geschnitten
- 2 Zwiebeln,
- 50 Gramm Lauch
- Tomatenmark,
- Rotwein
- frischer Thymian
Hackfleisch mit den Zutaten vermischen, die Lammschulter damit füllen und zusammen rollen, danach mit Bratkordel gut zubinden.
Die Lammschulter mit Salz und Pfeffer würzen, in einem Topf mit Öl anbraten und entnehmen, danach das Röstgemüse anbraten mit Tomatenmark tomatisieren, mehrmals mit Rotwein ablöschen, die Lammschulter in das Röstgemüse einlegen, mit etwas Brühe angießen und bei 160 Grad unter mehrfachem Übergießen im Ofen weich schmoren. Danach den Schmoransatz mit einem Mixstab zerkleinern und eine Sauce mit Thymian verfeinert daraus vollenden.
Empfehlung: Kombinieren Sie das Gericht mit Schnippelbohnen und Bratkartoffeln.




