Schäfer in der Wetterau Teil 3

Schäfer in der Wetterau: Wilhelm Weisselberg und senior und junior

Schäfer in der Wetterau: Wilhelm Weisselberg und senior und junior


Mehr als vier Millionen Euro werden in den kommenden fünf Jahren in den Erhalt der Wetterauer Trockeninsel fließen. Diese ist nicht etwa ein vom Meer umtostes Eiland, sondern die Bezeichnung ganz besonderer Flächen - nämlich Magerrasen, die für die Landwirtschaft eher uninteressant sind, weil sie schwer oder gar nicht zu bewirtschaften sind und sich eigentlich nur als Weideland für Schafe und Ziegen eignen. Dabei bieten sie vielen seltenen Pflanzen und Tieren einen Lebensraum. 

Weisselberg Senior und Junior

Schäfer Wilhelm Weisselberg und sein gleichnamiger Sohn

Weil solche Flächen zunehmend zu verbuschen und damit verloren zu gehen drohen, andererseits aber auch die wirtschaftliche Situation vieler Schäferbetriebe ungünstig ist, braucht es zum Erhalt solcher Flächen öffentlicher Unterstützung. Dies geschieht durch das LIFE-Projekt "Hutungen in der Wetterau", das aus Mitteln der EU mit zwei Millionen Euro und mit der gleichen Summe vom Land Hessen und mit kleineren Anteilen vom Wetteraukreis, den Städten Nidda und Hungen sowie mit Unterstützung von OVAG und Sparkassenstiftung Oberhessen unterstützt wird. "Ich bin froh, dass wir dieses Projekt umsetzen können. Damit stärken wie die Wetterau in touristischer Sicht. Gemeinsamt mit den Schäfern trägt es dazu bei, besonders wertvolle Naturräume zu erhalten", freut sich der Wetterauer Landrat Joachim Arnold.  

In einer kleinen Serie stellen wir drei typische Schäfer in der Wetterau vor.  

Heide-Nelke und Klappertopf brauchen Weißelbergs Schafe  

Wilhelm Weißelberg ist schon der dritte Träger des gleichen Namens und wie sein Vater und sein Urgroßvater ist er Schäfer. Weißelberg senior sieht man seine 76 Jahre nicht an. "Ich habe gegen den Willen meiner Eltern den Schäferberuf ergriffen. Nach dem Krieg hat es uns aus dem Ruhrgebiet hierher verschlagen. Als Kind kannte ich nur Bomben und hatte nichts zu essen und hier sah ich Schäfer, die wirklich etwas hermachten. Schöne Herden, gute Kleidung und immer etwas zu essen. Das wollte ich damals auch", erinnert sich Weißelberg.  

Ein paar Jahre hat Wilhelm Weißelberg senior sich ganz der Schafzucht verschrieben. Dann hatte er mehr als 30 Jahre bei der Bahn gearbeitet, aber immer nebenbei noch Schafe gehabt. Sein Sohn Wilhelm junior hat es nicht anders gemacht. Fast drei Jahrzehnte war er in einer großen Bad Nauheimer Klinik als Elektriker beschäftigt. Seit drei Jahren widmet er sich voll und ganz der Schafzucht. 300 Schafe nennt er sein Eigen. Rhönschafe, Merinos, Texelschafe, das sind die Rassen in seiner 300 Mutterschafe umfassenden Herde.  

"Als Schäfer muss ich jeden Tag Schafe sehen, sonst werde ich krank"

 "Mit der Schäferei wird man nicht reich", wissen beide Weißelbergs. "Aber wenn man nicht große Extrawünsche hat, dann kommt man einigermaßen zurecht. Das, was ich tue ist nicht ein Job wie jeder andere. Ich verstehe es auch nicht als Arbeit. Ich mag den Umgang mit den Schafen. Ich will keine Kühe oder Ziegen. Die Schafe liegen mir am Herzen. Jedes Schaf hat seine eigene Individualität. Als Schäfer muss ich jeden Tag Schafe sehen, sonst werde ich krank", sagt Wilhelm Weißelberg junior. Das kann er aus eigener Erfahrung sagen. Vor einigen Jahren hat er vorübergehend die Schafzucht aufgegeben, um sie nach einem halben Jahr wieder aufzunehmen. Jetzt allerdings als Biobetrieb mit EU-Zertifikat. 70 Hektar Land bewirtschaftet Wilhelm Weißelberg. Ein Großteil sind Europaweit geschützte Naturschutzgebiete, wie etwa die Raketenstation in Ockstadt oder die Magertriften bei Ober-Mörlen, so genannte Fauna-Flora-Habitat-Gebiete.  

Seltene Pflanzen vertragen keine Düngung  

Ohne die Schafe hätten seltene Pflanzen wie Heide-Nelke, Klappertopf, Mausohr-Habichtskraut und viele andere keine Chance. "Bei der ersten Düngung verabschiedet sich der Klappertopf", weiß Christian Sperling, der in der Kreisverwaltung des Wetteraukreises das EU-Projekt organisiert. "Deswegen sind wir Schäfern wie den Weißelbergs so dankbar, dass sie diese wertvollen Magerflächen mit ihren Schafen beweiden und so von Bewuchs freihalten. Dafür bekommen die Schäfer auch Zuschüsse vom Land und von der Europäischen Union. Denn auch wenn Schäfer ihren Beruf vor allem aus Passion ausüben - von Passion allein wird man nicht satt und die ökonomische Situation ist denkbar schlecht." Drei Kilo Wolle liefert ein Schaf durchschnittlich im Jahr. Eine Tonne hat Wilhelm Weisselberg um Pfingsten geschoren. Die liegt jetzt fest verpackt als große Ballen in seinem Stall und hofft auf den Rückruf des belgischen Großhändlers, der in den letzten Jahren die Wolle aufgekauft hat – für 50 Cent das Kilo.  

Rund zehn Minuten benötigt Wilhelm Weisselberg zum Scheren eines Schafes, macht sechs Stück in der Stunde oder 18 Kilo oder neun Euro. Kein wirklich berauschender Stundenlohn für harte körperliche Arbeit! Die beginnt schon morgens früh um sechs Uhr im Stall. "Da schauen wir nach den Mastlämmern oder den frisch geborenen Lämmern, die mit den Muttertieren zur Schonung erst einmal im Stall stehen." Vor neun Uhr kommt er nicht zum Frühstück. Zwischendurch müssen noch die Hunde raus, die heute nicht zum Arbeiten kommen. Dann geht es raus zur Herde, die noch im Nachtpferch steht. Der Pferch für die nächste Nacht muss schon vorbereitet werden und gleichzeitig werden die Schafe bis etwa sechs Uhr abends gehütet. Dann geht es noch einmal zur Kontrolle der Mastlämmer, zum Hundefüttern und gegen 19:00 Uhr endet dann langsam der Tag. Im Sommer freilich kommt dann auch die Ernte von Heu und Stroh dazu und auch die Reparatur von Maschinen kann den Arbeitstag deutlich verlängern.  

Eines aber verbindet Kurt Lind, Peter Link und die Weisselbergs: Das ist die Liebe zum Schaf, die Arbeit in der freien Natur und die Unabhängigkeit, die damit verbunden ist. Für die Menschen in der Wetterau, für Ausflügler und Wanderer tragen sie dazu bei, die schönsten Naturschutzgebiete zu bewahren.  

 


 Schafskäse-Lammfrikadellen mit Joghurt-Minz-Sauce und griechischem Salat  

 

Zutaten für zwei Personen:  

  • 400 g               Hackfleisch (vom Lamm)
  • 100 g               Schafskäse in Salzlake
  • 100 g               Feta in Salzlake
  • 300 g               Vollmilchjoghurt
  • 2 EL                Creme fraiche
  • 2                      Schalotten
  • 4                     Zitronen, unbehandelt
  • 60 g                 Oliven, Kalamata, ohne Stein
  • 3                      Eiertomaten, groß (ca. 250 g)
  • 1                      rote Paprikaschote
  • 1                      Salatgurke
  • 1                      Stangensellerie
  • 1                      Zehe Knoblauch
  • 2 Stängel        Blattpetersilie
  • 2 Bund            Minze
  • 1 EL                Majoranblätter
  • 5 EL                Olivenöl
  •                         Cayennepfeffer zum Abschmecken,
  •                         Salz aus der Mühle
  •                         Schwarzer Pfeffer aus der Mühle  

Zubereitung: 

Für Frikadellen die Schalotte abziehen, halbieren und in kleine Würfel schneiden. Einen Zweig Minzblätter und die Petersilienblätter abzupfen, klein schneiden und mit dem Lammhack und den Zwiebeln vermengen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Den Schafskäse würfeln. Das Fleisch zu Kugeln formen und in jede Kugel ein Stück Schafskäse drücken. Anschließend die Frikadellen in Olivenöl fünfzehn Minuten braten.  

Für die Sauce die übrige Minze abzupfen und klein schneiden. Den Joghurt mit der Creme fraiche vermischen. Einen Esslöffel Olivenöl und die Minzblätter dazugeben. Die Zitronen halbieren, auspressen und einen Teelöffel Zitronensaft zu der Sauce geben. Das Ganze gut verrühren und mit Salz und Cayennepfeffer abschmecken.  

Für den Salat den Fetakäse würfeln. Die Paprikaschote halbieren und von den Scheidewänden sowie dem Strunk befreien. Die Tomaten ebenfalls vom Strunk befreien, halbieren und zusammen mit der Paprikaschote entkernen und klein schneiden. Die Salatgurke halbieren, entkernen und in feine Scheiben schneiden. Die Stangensellerie und die Oliven ebenfalls in feine Scheiben schneiden. Anschließen die Tomaten, die Paprikaschote, die Gurke und die Stangensellerie in einer Schüssel vermengen.  

Für die Vinaigrette den Knoblauch abziehen und klein hacken. Mit dem restlichen Zitronensaft und Olivenöl gründlich verrühren und die Vinaigrette über den Salat träufeln.  

Die Frikadellen auf den Tellern anrichten und mit der Sauce und dem griechischen Salat garnieren.  

Wer nicht selber kochen mag, kann sich schon jetzt auf den "Wetterauer Land- und Lammgenuss" freuen. Er findet in der Zeit vom 10. bis zum 26. September statt. 17 Restaurants von Nidda bis Karben und von Bad Nauheim bis Echzell nehmen teil. Die Eröffnung findet am 10. September 19:00 Uhr im Kloster Arnsburg statt. Unter dem Titel " Arnsburger Landkompositionen, eine Aufführung in fünf Akten, die begeistert" wird ein Fünf-Gänge-Menü serviert. 

Kostenbeitrag 35 Euro.  

Reservierung unter 0 64 04 9 19 00. 


Erstellt am: 2010-07-22