Landrat überbringt Baugenehmigung für Dottenfelderhof
Landrat überbringt Baugenehmigung für Dottenfelderhof
Landrat Arnold übergibt die Baugenehmigung für die Saatgutwerkstatt auf dem Versuchsfeld des Dottenfelder Hofes an Mitglieder der Hofgemeinschaft
"Mit Saatgut verhält es sich ähnlich wie mit Lebewesen. Im Ökosystem sind viele Tiere und Pflanzen aufeinander angewiesen.", so Landrat Arnold zur generellen Bedeutung des Projektes. "In den 30er Jahren hat die Saatgutentwicklung einen maßgeblichen Schritt gemacht; aus Sicht biologisch-dynamisch arbeitender Landwirte in die falsche Richtung", ergänzt Dr. Hartmut Spieß, der auf dem Dottenfelderhof die Getreidesaatgutentwicklung leitet. Mit der Entwicklung von Hybridsorten, die höhere Erträge aber aufgrund ihrer Eigenschaften auf Kunstdünger und Pflanzenschutz angewiesen sind, hat sich eine Abhängigkeit der Landwirtschaft von immer weniger multinationalen Saatgutkonzernen entwickelt.
Was Jahrtausende üblich war, dass der Landwirt sein eigenes Saatgut aus der Ernte zurückhält, ist nicht mehr möglich. Jedes Jahr müssen Landwirte neues Saatgut von wenigen Firmen kaufen. Die Produktion eigenen Saatgutes ist nicht mehr möglich. "Diesen Kreis wollen wir durchbrechen, indem wir Saatgut auf die traditionelle Weise züchten und dann zur freien Vermehrung weitergeben", erläutert Dr. Spieß.
Saatgut aus der einzelnen Ähre
Ausgangpunkt für die Arbeit von Dr. Spieß und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die einzelne Ähre. Zwischen 30 und 60 Körner beherbergt sie, diese werden auf kleinsten Par-zellen gepflanzt, um dann aus den besten Ähren das Korn weiter zu säen. Um eine Resistenz, etwa gegen Steinbrand, eine verbreitete Pilzkrankheit des Korns, zu erzielen, werden die Pflanzen vorsätzlich infiziert und dann mit natürlichen Mitteln gebeizt. In diesem Fall durch die Behandlung mit heißem Wasser, das, für wenige Minuten angewendet den Pilz zerstört, der Pflanze aber keinen Schaden bringt.
Durch Kreuzung und durch die Anpassung an die verschiedenen Lebensräume entsteht Saatgut, das zwar nicht universell einsetzbar ist, dafür aber für den besonderen Standort optimal geeignet ist. "Wir erwarten in den nächsten Jahren mit der Kli-maveränderung zunehmend heiße und trockene Sommer, deswegen machen wir auch Versuche mit Getreide aus Äthiopien und Iran", erläutert Spieß.
Zur ganzheitlichen Landwirtschaft gehört auch eine Abwen-dung von maschinentauglichem Getreide. Die Landwirte, die reinen Pflanzenbau betreiben, wollen möglichst wenig Stroh, das sie meist nur unterpflügen. Auf dem Dottenfelderhof wogt der Weizen noch mehr als einen Meter hoch, Kinder verschwinden gänzlich darin, eine besondere Freude für die vielen Schulklassen, die regelmäßig den Hof am Rande Bad Vilbels besuchen.
Das so anfallende Stroh dient im Kuhstall als Unterlage und anschließend wird der Mist als natürlicher Dünger auf die Felder wieder ausgebracht. So entsteht ein Kreislauf, der gänzlich auf Chemie oder gar Gentechnik verzichtet, vor allem aber Produkte hervorbringt, die auch geschmacklich ein Erlebnis sind. Ein Beispiel dafür ist die ebenfalls auf dem Dottenfelderhof gezüchtete Möhre "RODELIKA".
Für Landrat Arnold ist der Dottenfelderhof nicht nur ein Vorzeigebetrieb, sondern eine besondere Attraktion und Qualität, die die Wetterau ausmacht. "Vor allem Familien, aber auch Schulklassen und Kindergärten nutzen den Dottenfelderhof als Ausflugsziel, wo Kinder mit natürlicher Landwirtschaft in Kontakt gebracht werden. Gemeinsam mit der Saatgutwerkstatt in Echzell/Bingenheim gehört der Dottenfelderhof zu einer Handvoll Betriebe, die abseits der multinationalen Konzerne noch Saatgut produzieren", so der Wetterauer Landrat.




