Butzbach-Fauerbach und Münster in das Dorferneuerungsprogramm aufgenommen

Butzbach-Fauerbach und Münster in das Dorferneuerungsprogramm aufgenommen

Butzbach-Fauerbach und Münster in das Dorferneuerungsprogramm aufgenommen


Nach den Butzbacher Stadtteilen Nieder-Weisel, Griedel, Hoch-Weisel und Ostheim sind jetzt Fauerbach und Münster in das Dorferneuerungsprogramm aufgenommen worden. Den offiziellen Bescheid hat Staatssekretär Steffen Saebisch im Beisein von Landrat Joachim Arnold und dem Butzbacher Bürgermeister Michael Merle am 2. September überreicht.

Wie Landrat Joachim Arnold mitteilte, wurden im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms allein in den vier erstgenannten Butzbacher Stadtteilen 360 Projekte mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von mehr als 13 Millionen Euro aus Mitteln des Dorferneuerungsprogramms bezuschusst. "Für mich hat dieses Programm einen außerordentlich hohen Stellenwert, weil wir damit einen Beitrag dazu leisten können, den gravierenden Strukturwandel in unseren Dörfern zumindest zu steuern."  

Fauerbach hat aktuell knapp 750 Einwohner, Tendenz rückläufig. Münster ist mit knapp 600 Einwohnern etwas kleiner, hat aber eine stabile Einwohnerzahl. Wann Fauerbach als fränkische Dorfsiedlung entstand, ist nicht ganz sicher, vermutlich im 6. oder 7. Jahrhundert. Erstmalig urkundlich erwähnt wurde es 790 als Teil der Weiseler Mark. Die Kirche stammt aus der Mitte des 14. Jahrhunderts.  

"Gerade die hohe Anzahl bauhistorisch wertvoller Einzelobjekte in Fauerbach verlangt eine fachkundige Beratung, um für den hohen Anteil von sanierungs- und modernisierungsbedürftiger Bausubstanz eine zeitgemäße Wohnqualität zu schaffen", unterstreicht Landrat Arnold das Anliegen der Dorferneuerung. "Wir wollen, dass die Menschen auch in diesen historisch wertvollen Häusern eine moderne Wohnqualität schaffen können. Das ist freilich schwerer als auf der grünen Wiese einen Neubau zu errichten. Deshalb werden solche Vorhaben auch öffentlich gefördert."  

Erfreulich sei nach den Worten des Landrates die starke Vereinstätigkeit in Fauerbach, wo es eine Vielzahl von ehrenamtlichen Aktivitäten gebe. "In Sachen Kultur, Soziale Dienste und Geselligkeit ist Fauerbach gut aufgestellt. Das hat es letztmals bei der Teilnahme am Wettbewerb "Unser Dorf" bewiesen." Jetzt heißt es erst einmal eine Gebäude- und Infrastrukturanalyse aufzunehmen, um dann aufbauend auf dieser Analyse Konzepte zu entwickeln, wie die Dorferneuerung Hand in Hand mit den Bürgerinnen und Bürgern vorangetrieben werden kann.  

"Wir wollen das bau- und kulturgeschichtliche Erbe von Fauerbach und Münster bewahren und als Lebensraum zukunftsfähig zu machen. Der vor uns liegende Prozess ist anspruchsvoll und soll unter Mitwirkung aller Beteiligten neue Perspektiven für Fauerbach und Münster eröffnen."  

Stichwort Dorferneuerung  

Das Dorf verändert sich zurzeit so schnell wie noch nie zuvor in seiner Geschichte. Das Leben auf dem Lande war früher fast ausschließlich von der Landwirtschaft geprägt, sie war die Grundlage der dörflichen Wirtschaft. Daraus ergab sich eine enge Verbindung von Wohnflächen und Feldern, Wiesen und Weiden. Man lebte auf Bauernhöfen, das Dorf war meist von einem Gürtel aus Obstbäumen umgeben und viele kleinere Äcker mit unterschiedlichen Feldfrüchten bestimmten die Dorfumgebung. In den 50er Jahren begann jedoch ein bis heute andauernder Strukturwandel in der Landwirtschaft. Größere und effizientere Maschinen konnten mehr produzieren, in kürzerer Zeit wurde deutlich mehr geerntet. Um das Jahr 1900 erzeugte ein Bauer Nahrungsmittel für vier weitere Personen, 1950 ernährte er zehn Personen und im Jahr 2004 produzierte er Nahrungsmittel für fast 150 Mitbürger. Diese Produktivitätssteigerung wirkt sich auch auf das Bild des Dorfes aus. Größere Maschinen brauchen mehr Platz, daher verschwinden die Streuobstwiesen und die Felder werden immer größer. Auch gibt es immer weniger arbeitende Bauernhöfe, da nur noch die großen und leistungsstarken Landwirte im weltweiten Wettbewerb bestehen können. Die nicht mehr gebrauchten Höfe sind oft verlassen. Da es rentabler ist, ein neues Haus in den Neubaugebieten am Dorfrand zu bauen, verfallen viele alte Häuser im Dorfkern. Eine räumliche und soziale Verbindung von Neubaugebiet und Ortskern fehlt meistens. Die Landwirtschaft schafft immer weniger Arbeitsplätze, viele Dorfbewohner suchen sich Arbeit in größeren Gemeinden und Städten und müssen pendeln. Durch den generellen Bevölkerungsrückgang auf dem Land gibt es auch immer weniger Handwerker und damit fehlende Ausbildungsplätze für junge Leute. Die Dörfer leiden unter einer massiven Überalterung. Damit verbunden ist auch, dass die Dorfinfrastruktur langsam verfällt. Früher konnte der überwiegende Teil der Versorgung mit Lebensmitteln und Dienstleistungen von der Dorfgemeinschaft selbst gestellt werden. Es gab ausreichend Handwerker, eine Bank, eine Poststelle, ein Wirtshaus, natürlich den berühmten "Tante-Emma-Laden", der neben Lebensmitteln auch noch Haushaltswaren und Textilien im Angebot hatte und Mittelpunkt der Dorfkommunikation war. Dorferneuerungsprogramme sollen helfen diesen Niedergang zu stoppen.  

Sowohl private, als auch kommunale Bauvorhaben erhalten finanzielle Unterstützung im Rahmen der Dorferneuerung. Die Gelder stammen aus EU-, Bundes- und Landesmitteln. Gefördert   werden in einer jeweils begrenzten Zahl von ausgewählten Dörfern über einen mehrjährigen Zeitraum hinweg Projekte zur Sanierung und dauerhaften Nutzung besonders erhaltenswerter historischer Gebäude. Außerdem werden Maßnahmen zur Ausstattung der Dörfer mit Gemeinbedarfseinrichtungen wie Bürgerhäusern, Jugend- und Vereinstreffs oder auch "Tante-Emma-Läden" unterstützt. Renaturierungsmaßnahmen der dörflichen Gewässer stehen ebenso im Förderprogramm wie die stärkere Verbreitung ökologischer und biologischer Landwirtschaft. Die Bauaufträge erhalten meist heimische Firmen und Handwerker. Die Programme laufen in enger Verbindung zu den Förderprogrammen der regionalen Tourismusentwicklung.  

"Ziel der Dorferneuerungsprogramme ist es, die dörflichen Lebensformen in ihrer Vielfalt zu bewahren und zu entwickeln. Dörfliche Lebensräume sollen eine sichere wirtschaftliche Grundlage erhalten und siedlungsstrukturelle Mängel beseitigt werden. Dazu kommt eine allgemeine Verbesserung der Wohn- und Arbeitsverhältnisse", erklärt Landrat Joachim Arnold die Maßnahmen. "Das Dorf profitiert ganzheitlich von den Programmen, das heißt ökonomisch, ökologisch, kulturell und sozial."  

Dank der Dorferneuerungsprogramme konnten in den letzten Jahren viele Arbeitsplätze im landwirtschaftlichen und handwerklichen Bereich erhalten und die historischen Ortskerne vor dem Verfall bewahrt werden. "Die Wetterau bleibt eine attraktive Wohn- und Arbeitsregion mit einer sehr hohen Lebensqualität", so Landrat Arnold abschließend.

Erstellt am: 2010-09-06