Stoppelstreifen und Wildkräuter zum Schutz der Rebhühner
Stoppelstreifen und Wildkräuter zum Schutz der Rebhühner
Die Rebhühner in Fauerbach und Ostheim haben Streifen. Damit ist keine neue Rebhuhnart gemeint, vielmehr geht es um Getreidestreifen, die auf den Feldern künftig nicht mehr komplett abgemäht werden. Sie dienen - ähnlich wie schon bei den Feldhamstern - den Rebhühnern zur Nahrung und als Rückzugsmöglichkeit. " Ernteeinbußen und zusätzlicher Arbeitsaufwand, der durch die Nachbearbeitung der Flächen entsteht, gleicht der Fachdienst Landwirtschaft im Rahmen des Vertragsnaturschutzes aus", sagt Kreisbeigeordneter und Landwirtschaftsdezernent Wolfgang Patzak.
Das Landwirtsehepaar Jim und Simone Gray mit den Kindern Ben, Emilie und Henri, Fabian Best, Ute Heinzerling vom Fachdienst Landwirtschaft und Landwirt Norbert Reitz.
Das Rebhuhn ist eine nach der Vogelschutz-Richtlinie geschützte Art, die in der Wetterauer Agrarlandschaft heimisch ist. Bei der Frage, was sich zum Schutz des rund 30 Zentimeter große Hühnervogels tun lässt, kam man im Fachdienst Landwirtschaft auf eine Idee. Seit mehreren Jahren schließt der Fachdienst erfolgreich einjährige Verträge für den ebenfalls schützenswerten Feldhamster ab. Bei der Ernte der Getreidefelder bleiben Streifen stehen, die mindestens zwei Meter breit sind und nicht abgemäht werden. Erst ab dem 1. Oktober werden diese Feldstreifen weiter landwirtschaftlich bearbeitet.
Geplant ist nun, dass neben diesem Streifen, auf dem die Ähren noch stehen, ein weiterer fünf Meter breiter Streifen mit Stoppeln bleibt. Das heißt, die Ähren werden in einer Höhe von 30 Zentimeter abgedroschen werden. Wenn die Getreideernte im Spätsommer auf Hochtouren läuft und die Äcker in ganz kurzer Zeit leer geräumt sind, bieten beide Streifenvarianten für Feldhamster, Rebhuhn und Co. Nahrung und Rückzugsmöglichkeiten.
Getreidestreifen und Wildkräuter für die Rebhühner
Rebhühner bleiben das ganze Jahr über bei uns und haben deshalb ganz ähnliche Ansprüche an ihren Lebensraum wie die Feldhamster. Was liegt also näher als bei den Landwirten für die Anlage der Getreidestreifen auch für die Rebhühner zu werben? "Ernteeinbußen und zusätzlicher Arbeitsaufwand, der durch die Nachbearbeitung der Flächen entsteht, gleicht der Wetteraukreis im Rahmen des Vertragsnaturschutzes aus", sagt Kreisbeigeordneter Wolfgang Patzak, Dezernent für den Bereich Landwirtschaft.
Maßnahmen zum Schutz der Tiere können aber nur dann funktionieren, wenn sie von allen Beteiligten gemeinsam umgesetzt werden. Hier zeigt sich, dass gerade das Gebiet zwischen Ostheim und Fauerbach optimal ist, denn der Pächter des Jagdreviers setzt sich sehr für den Schutz des Niederwildes ein: Seit etwa drei Jahren betreut ein Mitarbeiter des Jagdpächters dieses Revier und hat gemeinsam mit ortsansässigen Landwirtinnen und Landwirten schon einiges umgesetzt, um die Kulturlandschaft aufzuwerten. So wurden auf kleineren Flächen an Ackerrändern verschiedene Wildkräuter eingesät. Die bunten Blüten von Sonnenblume, Malve und Klee sind optische Farbtupfer in der Agrarlandschaft, viel wichtiger aber ist ihr Nutzen für die Feldbewohner. Insekten werden durch die Blütenpracht angelockt und finden mitten in der Feldflur einen reich gedeckten Tisch und dienen gleichzeitig anderen Feldbewohnern als Nahrungsgrundlage. So fressen Rebhuhnküken in den ersten beiden Lebenswochen fast ausschließlich Insekten und deren Larven. Später kommen Getreidekörner, Wildkrautsamen und grünen Pflanzenbestandteile hinzu. Ein weiterer Vorteil: Feldhase und Rebhuhn finden in den Pflanzenbeständen Schutz vor Mäusebussard und Fuchs.
Auskünfte beim Fachdienst Landwirtschaft, Tatjana Bär, Telefon: 06031/83-4202 und Ute Heinzerling, Telefon: 06031/83-4211.




