Kreis richtet erste Willkommensveranstaltung für Eingebürgerte aus
Kreis richtet erste Willkommensveranstaltung für Eingebürgerte aus
"Wir freuen uns, dass Sie sich für die Deutsche Staatsbürgerschaft als klares Bekenntnis für Ihren Integrationswillen entschieden haben", sagte Landrat Joachim Arnold bei der ersten Willkommensfeier, die der Kreis am heutigen Freitag erstmals veranstaltete. Erster Kreisbeigeordneter Helmut Betschel-Pflügel ergänzte: "Herzlich willkommen, liebe Eingebürgerte.” 48 eingebürgerte Personen hatte der Kreis zur Willkommensfeier eingeladen, die auf einen Beschluss des Kreistages zurückgeht und künftig jedes Jahr veranstaltet werden soll.
Landrat Joachim Arnold und Erster Kreisbeigeordneter Helmut Betschel-Pflügel stellten sich mit den Eingebürgerten und den jeweiligen Bürgermeistern ihrer Gemeinden zum Gruppenfoto.
Die Einbürgerung ist formal das Ende eines Verwaltungsvorganges, formal betrachtet die Verleihung der deutschen Staatsangehörigkeit an eine Ausländerin oder einen Ausländer. "In Wahrheit steckt viel mehr dahinter", sagte Landrat Joachim Arnold in seiner Begrüßung. "Nämlich Ihre bewusste Entscheidung, von nun an als Deutsche hier in der Wetterau zu leben, mit deutschem Pass und den Rechten und Pflichten von Staatsbürgern, die für alle Deutschen ganz selbstverständlich sind." Arnold nannte beispielhaft die Freiheit, sich dort niederzulassen, wo man möchte. "Werden Sie Teil dieser Gesellschaft, beteiligen Sie sich”, ermutigte Arnold. "Sie können uns viel geben.”
Das geographische Spektrum der Herkunftsländer ist groß: von den USA über die Niederlande bis Pakistan, 18 Länder aus fast allen Kontinenten. Auch Schweden und Estland sind vertreten. Mit Abstand die meisten derjenigen, die der Fachbereich Jugend, Familie und Soziales eingeladen hatte, kommen aus der Türkei. Was das Altersspektrum angeht, so ist auch dieses breit gefächert: die älteste Eingebürgerte wurde 1941 geboren, der jüngste ist noch nicht mal zwei Jahre alt. Die meisten wurden in den 1980er Jahren geboren, dicht gefolgt von den 90er und 70er Jahren.
Frank Eser vom Landessport referierte über die integrativen Möglichkeiten des Sports, den interkulturellen Alltag im Sport, die Möglichkeiten des Landessportbundes und die Abläufe in den Sportvereinen. Die Musikschule Friedberg sorgte für den musikalischen Rahmen.
Willkommensfeier ist Kreistagsbeschluss
Die Einbürgerungsurkunde selbst wird von der Fachstelle Aufenthaltsrecht des Wetteraukreises übergeben. Die Willkommensfeier richtet bei Kommunen mit weniger als 7.500 Einwohnerinnen und Einwohnern der Kreis aus, bei allen anderen die Kommune selbst. Und so kamen die Eingeladenen aus Echzell, Limeshain, Münzenberg, Reichelsheim und Wöllstadt.
"Der Wetteraukreis veranstaltet künftig jedes Jahr eine Willkommensfeier für alle in den letzten zwölf Monaten im Kreis neu eingebürgerten Personen", kündigte Landrat Arnold an, Dezernent der Ausländerbehörde. So der Beschluss des Kreistages vom Januar diesen Jahres, der damit eine Vereinbarung der Regierungskoalition im Kreistag aus SPD, Grüne und FDP widerspiegelt: Aufgrund der Geburtenrückgänge und der zurückgehenden Bevölkerungszahl solle bei langjährig in Deutschland lebenden und arbeitenden Migrantinnen und Migranten der Ermessensspielraum für das Aufenthaltsrecht und die Einbürgerungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden.
Zwar sind die letzten 12 Monate noch nicht vorbei, "doch die Interkulturelle Woche ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, diese Feier in einen größeren thematischen Rahmen einzubetten", sagte Erster Kreisbeigeordneter Helmut Betschel-Pflügel. Sie ist Teil der im Ausbau befindlichen Willkommenskultur des Wetteraukreises. Schließlich sei das Motto der Interkulturelle Woche: "Herzlich willkommen - wer immer du bist". "Sie identifizieren sich mit diesem Land, Sie beherrschen die Sprache, Sie sind ein Teil dieses Landes. Wir freuen uns darüber und sagen herzlich willkommen", rief der Sozialdezernent den Eingebürgerten zu. Er erinnerte daran, dass Deutschland in seiner mehr als 60jährigen Geschichte eine gewaltige Integrationsleistung erbracht habe. Es sei ein Einwanderungsland, dem dies nur noch nicht richtig bewusst sei. "Wir registrieren eine spürbare Zunahme bei den Anträgen auf Einbürgerung", teilte Landrat Arnold mit, die Zahlen belaufen sich in den vergangenen fünf Jahren auf 40 bis 54 Anträge pro Jahr."
Hintergrund zur Einbürgerung
Wer dauerhaft in Deutschland lebt und noch nicht deutscher Staatsangehöriger ist, kann sich einbürgern lassen. Dies geschieht nicht automatisch, sondern auf Antrag. Auf die Einbürgerung gibt es auch einen Rechtsanspruch, allerdings mit bestimmten Voraussetzungen:
Man ist Bürger der Europäischen Union oder besitzt die Niederlassungs- oder Aufenthaltserlaubnis; hält sich mindestens acht Jahre in Deutschland auf; kann für seinen Unterhalt selbst sorgen; verfügt über ausreichende Deutschkenntnisse; es besteht keine Mehrstaatigkeit; ist nicht vorbestraft; bekennt sich zur freiheitlich demokratischen Grundordnung unseres Grundgesetzes und bietet keine Anhaltspunkte für eine extremistische oder terroristische Betätigung und schließlich kennt man die Rechts- und Gesellschaftsordnung und die Lebensverhältnisse in Deutschland.
Arnolds Bitte an die Eingebürgerten: "Sprechen Sie mit Anderen darüber, sich ebenfalls einbürgern zu lassen. Sagen Sie weiter, dass es sich lohnt, und dass wir uns auf sie freuen." Sozialdezernent Betschel-Pflügels Appell galt der Gesellschaft, die sich noch stärker öffnen müsse: "Wir müssen dafür sorgen, dass die Exklusionsmechanismen beseitigt werden und wir die Potenziale und Chancen der Vielfalt besser nutzen können." Eine Vielfalt, die Betschel-Pflügel ausdrücklich nicht allein auf die Herkunft begrenzt wissen will.




