Von Grüblingen, Knollen und Trüffeln: die Kartoffel
Von Grüblingen, Knollen und Trüffeln: die Kartoffel
2008 ist das internationale Jahr der Kartoffel. Und das nicht von ungefähr, denn die Erdknolle zählt zu den weltweit wichtigsten Nahrungspflanzen. Sie hat einen hohen Nährwert und kann einen wertvollen Beitrag zur Bekämpfung der Unterernährung in Entwicklungsländern leisten. In einer kleinen Serie gehen wir näher auf wertvolle Knolle ein und stellen zwei Wetterauer Kartoffelerzeuger vor.
Einer Veröffentlichung der FAO, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, zufolge wurden im Jahr 2005 weltweit 322 Millionen Tonnen Kartoffeln erzeugt. Das war nicht immer so. Es gab Zeiten, in denen die Knolle etwas Besonderes und nur in beschaulichen Botanischen Gärten oder als Arzneimittelpflanze in Apothekergärten zu finden war. Ihre Karriere als große Kulturpflanze begann im 18. Jahrhundert, als nach dem Siebenjährigen Krieg durch Bevölkerungswachstum und eine rasche Folge von Hungersnöten ihre nahrhaften Qualitäten gefragt waren. Heute ist die Kartoffel, die bei den Inkas bereits schon vor 4000 Jahren gegessen wurde, eines der sieben Grundnahrungsmittel weltweit.
Rund 5.000 Kartoffelsorten gibt es, 1.000 davon werden noch angebaut. Dass so viele gezüchtet wurden hängt mit den vielen verschiedenen Verwendungszecken und den weit verbreiteten Anbaugebieten zusammen. Außer in den Tropen, der Arktis und den subarktischen Gebieten wird sie rund um den Globus angebaut. Die weltweit größte Datenbank hat das internationale Kartoffelinstitut in Lima. 100 wilde und 3.800 in den Anden traditionell kultivierte Kartoffelsorten sind hier erfasst. Kartoffelsorten in Deutschland sind beim Bundessortenamt in Hannover registriert und unterliegen einem dreißigjährigen Sortenschutz. Das bedeutet, dass beim Anbau Lizenzgebühren an den Züchter fällig werden können. Etablierte Sorten müssen nach Ablauf des Sortenschutzes vom Markt genommen werden.
Zwischen Nachtschatten und Trüffel
Das Deutsche Wörterbuch der Brüder Grimm zitiert den Botaniker Caspar Bauhinus, der die Kartoffelstaude im Jahr 1590 als Grüblingsbaum oder Knollenbaum benannte. Grundbirne und Erdapfel sind weitere Namen der Knolle, deren Farbe von braun bis rot variieren kann. Der Name Kartoffel allerdings hat italienische Wurzeln und kommt von Tartuffel, sprich Trüffel. Unter botanischen Gesichtspunkten gehört die Pflanze zur Familie der Nachtschattengewächse, eine Abstammung, die sie mit Aubergine, Paprika, Tomate und Tabak teilt. Übrigens verbindet sie mit der Süßkartoffel lediglich der Name, verwandt sind die beiden Pflanzen nicht.
Die Kartoffel ist gesund: 15 Mineralstoffe, vor allem Kalium, dazu Jod, Eisen und zehn Vitamine verbucht sie auf der Habenseite der wertvollen Inhaltsstoffe. Drei Kartoffeln aus neuer Ernte decken fast zwei Drittel des Tagesbedarfes eines Erwachsenen an Vitamin C. Demgegenüber sollte man vom Kartoffelkraut und den grünen Teilen der Knolle besser die Finger lassen. Sie enthalten den giftigen Stoff Solanin, der Durchfall und Erbrechen hervorrufen kann. Kartoffeln sind vielseitig verwendbar und auch die Brüder Grimm ziehen am Ende ihrer Betrachtungen das Fait: "…es würde namentlich unmöglich sein, die landschaftlichen Kartoffelgerichte alle aufzuzählen."
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