Gasthaus zum Schwan in Büdingen

Gasthaus zum Schwanen in Büdingen

Gasthaus zum Schwanen in Büdingen


Das ehemalige Gasthaus "Zum Schwanen" in Büdingen wurde um 1500 auf Teilen der alten Stadtmauer und der Karlspforte erbaut. Es hatte als städtisches Gasthaus Schankrechte. So wie damals überragt noch heute dieser spätgotische Massivbau mit Resten eines ursprünglichen Staffelgiebels die nähere Umgebung. Heute befindet sich in diesem Gebäude das viel besuchte Fünfziger-Jahre-Museum.


Außenaufnahme vom Haus Schwanen in Büdingen

Das Haus Schwanen in Büdingen beherbergt jetzt das 50er-Jahre-Museum

Im Vorfeld von Umbaumaßnahmen wurde im Jahr 2004 begleitend zu einer Ermittlung von Bau- und Umgestaltungsphasen auch die Bau- und Nutzungsgeschichte des Gebäudes von Dr. Klaus-Peter Decker erforscht. Für die historischen Forschungen herangezogen wurden von ihm insbesondere Belege aus dem Fürstlichen Ysenburgischen Archiv wie die Büdinger Bürgermeisterrechnungen und Urkunden. Viele Veränderungen im Baugefüge lassen sich nur in Zusammenhang mit historischen Ereignissen nachvollziehen

Städtische Oberschicht betrieb Gasthäuser

Schon die Ursprungsgeschichte des Wirtshauses ist interessant. In der historischen Dokumentation ist dargelegt, dass es auch schon vor dem Bau des städtischen Wirthauses einzelne Schankstätten und Herbergen gab, die auch gehobenen Ansprüchen genügten. In Büdingen als Grafenresidenz waren bisweilen ranghohe Besucher oder zumindest deren Gefolge unterzubringen, wenn die Räumlichkeiten im Schloss dafür nicht ausreichten. Diese Gasthäuer erhielten meist den Namen ihrer Betreiber, die oft der städtischen Oberschicht angehörten. Einer von ihnen, Johannes Erwin, Notar und Sekretär der Ysenburger Grafen, vermietete sein Gasthaus an die Stadt, die einen Wirt hineinsetzte, um den Weinschank monopolartig auszuüben. Anfang 1486 kann es aber durch Unachtsamkeit des Personals zu einem Brand, der eine Klage gegen die Stadt zur Folge hatte. Protokolle aus diesem Rechtstreit sind bis heute erhalten geblieben. Das unliebsame Vorkommnis scheint der Anstoß gewesen zu sein, dass sich die Stadt zum Bau eines eigenen Wirtshauses entschloss.

Bauforscher entdecken Spuren der Stadtmauer

Das neue städtische Wirthaus wurde direkt neben dem nördlichen Pfortenturm der Altstadt, der später als Karlspforte bezeichnet wird, errichtet. Im Jahr 1578, nach diversen Veränderungen am Gebäude, ist erstmals in Schriftquellen von Wirtshaus zum Schwanen die Rede. Auch danach erfuhr das Gebäude mehrfache Überformungen, im Grundkonzept blieb es aber erhalten. Im Jahr 1666 ist sogar der Steinerne Giebel des Wirtshauses eingestürzt. Aus Rechnungen ergibt sich, dass erst zwei Jahre später der Wiederaufbau durchgeführt wurde. Die Bauforschung konnte im heutigen Gebäude "Zum Schwanen" noch Relikte von Vorgängerbauten feststellen. Welchen Gebäuden diese Relikte wiederum zuzuordnen sind, ergibt sich wiederum aus der historischen Bauforschung. Im Fall des historischen Wirtshauses wurden bei der Bauforschung noch Spuren der Karlspforte und der Stadtmauer festgestellt.

Erst die Bauforschung und eine historische Dokumentationen der Geschichte eines Gebäudes ergeben ein Gesamtbild des historischen Gebäudes. Bestimmte bauliche Veränderungen lassen sich erst über historische Recherchen erklären. Durch das Zusammenspiel von historischer Forschung und Bauforschung lassen sich oft Schlüsse und Erklärungen für Bauschäden finden.

Das Gebäude "Gasthaus zum Schwan" in Büdingen mit einer Sonderausstellung im Fünfziger-Jahre-Museum ist am Tag des offenen Denkmals von 10.00 – 17.00 Uhr geöffnet.