Der WetterAusflug: In die Toskana der Wetterau

Der WetterAusflug: In die Toskana der Wetterau

Der WetterAusflug: In die Toskana der Wetterau


Das Wandern ist längst nicht nur des Müllers Lust. Wandern ist eine Beschäftigung, die sich vor allem in Mitteleuropa großer Beliebtheit erfreut. Allein in Deutschland gibt es rund 200.000 Kilometer Wanderwege, die von Vereinen wie dem Vogelsberger Höhenclub oder dem Taunusclub markiert und gepflegt werden. Wandern ist eine Beschäftigung, die man alleine, mit Freunden oder der Familie wunderbar ausführen kann. Es ist stressfrei, kostet kein Geld, man braucht keine besondere Ausrüstung und findet genügend Zeit für sich selbst oder füreinander. Was kann es da Besseres geben, als am Wochenende oder an einem schönen sonnigen Nachmittag einen Ausflug in die "wanderbare" Wetterau zu machen? Heute: In die Toskana der Wetterau.

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Der Wanderweg auf der Karte

Der Wanderweg auf der Karte

Die letzte Wanderung der diesjährigen Serie führt uns in den nördlichsten Ort der Wetterau, nach Stornfels. Der Stadtteil von Nidda zählt gerade einmal 240 Einwohner gehört aber zu den bekanntesten Orten der Wetterau. 

Schreibt man hierzulande Ortschaften eine besondere Schönheit und Anmut zu, nimmt man gerne Vergleiche aus dem Süden zu Hilfe, etwa die "Maibacher Schweiz" oder "Klein-Venedig" für Florstadts Stadtteil Staden. Stornfels oder Stirwels kommt gleich als "Wetterauer Toskana" daher und das mit Recht. Hoch auf einem Basaltfelsen thront das Örtchen, dessen Name sich von Sturmfels ableitet. Wenn man den Ort über Nidda via Ulfa anfährt, dann genießt man gerade in den kommenden Herbsttagen die toskanischen Farben, vor allem das gebrannte Siena, das von den frisch gepflügten Äckern herrührt. 

Die Geschichte von Stornfels reicht bis ins Mittelalter zurück. Zwischen 800 und 1300 ist wahrscheinlich die Burg Stornfels oder auch Sloz Sturmfels erbaut worden. Heute existiert nur noch der Burgbrunnen hinter der Kirche. Im 14. Jahrhundert hatte die Burg eine große Bedeutung als Sicherung der "rechten Niddastraße", die von Frankfurt nach Kassel führte. Aus dieser Zeit stammt auch das Dokument, in dem die Schenkung des Schlosses durch den Grafen Ziegenhain und Nidda an den Abt von Fulda beurkundet wird. 

Unsere Wanderung beginnen wir in der Straße Im Fürstengarten. Dazu fahren wir von Ulfa kommend durch Stornfels und folgen am Ortsausgang der Beschilderung zum "Landhaus Fürstengarten", das am Wochenende zum Einkehren einlädt. Hier parken wir. 

Jetzt gehen wir ein kleines Stück zurück, dann links und gleich wieder rechts auf einen Wiesenweg, der uns am Südhang des Ortes entlang führt. 

Keine Kuh mehr im Bauerndorf 

Stornfels ist ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt des Fachdienstes Landwirtschaft des Wetteraukreises, um den Strukturwandel in der Landwirtschaft zu gestalten. Insbesondere die Aufgabe landwirtschaftlicher Flächen führt zunächst zur Verbuschung und später zur Bewaldung der Kulturlandschaft. Das abwechslungsreiche und inspirierende Landschaftsbild würde verloren gehen. Die kargen Böden des Vogelsberges verbunden mit den aktuell niedrigen Preisen in der Landwirtschaft lassen immer mehr Landwirte aussteigen. Das Bauerndorf Stornfels beherbergt heute nicht eine Kuh mehr. Die meisten Flächen sind an Bauern aus der Umgebung verpachtet. Das bestätigt auch der letzte Stornfelser Bauer, Thomas Hein, der allein von der Landwirtschaft nicht leben könnte. Ein wichtiges Standbein sind die Pensionspferde, die der Landwirt hat. 

Bei unserer Wanderung können wir hier am Südhang, aber später noch besser am Nordhang, sehen, wie die Bauern früher gearbeitet haben. Da wurden die Feldsteine aufgelesen, zu Wällen geschichtet und die Flächen terrassiert, um sie besser bewirtschaften zu können. Heute sind die Steinwälle verfallen und die Äcker und Wiesen häufig zur Schafweide geworden. 

Schafe sind Spezialisten für Magerrasen 

Diese ertragsarmen Flächen nennt man auch Magerrasen. Sie sind nährstoffarm, oft voller Steine und für die moderne Landwirtschaft uninteressant. Aber auf den mageren Flächen findet sich eine hohe Zahl seltener Pflanzen und Tiere, die auf der Roten Liste bedrohter Arten zu finden sind. In der Wetterau sind schätzungsweise weniger als ein Prozent der Fläche Magerrasen. Hier leben aber bis zu 70 Prozent der vom Aussterben bedrohten Arten. Aber dieses Paradies ist bedroht. "Wir brauchen eine dauerhafte Pflege, die nur durch die Schafbeweidung zu erreichen ist", weiß Christian Sperling vom Fachdienst Landwirtschaft des Wetteraukreises. Die Schafe sorgen dafür, dass die Fläche frei und der Lebensraum für die bedrohten Arten erhalten bleibt. 

Ein gutes Stück gehen wir am Südhang entlang und treffen dann auf einen asphaltierten Wirtschaftsweg, den wir nach links gehen und nach rund 200 Metern wieder nach rechts verlassen. Wir gehen jetzt durch die freie Feldflur und genießen den weit schweifenden Blick. Nach gut 400 Metern kommen wir wieder an einen Wirtschaftsweg, den wir nach rechts gehen und bis zur Kreisstraße folgen. Hier gehen wir nach links, ein Stück an der wenig befahrenen Kreisstraße entlang, und wenden uns dann nach rechts, wo wir am Rande des Höllenwaldes weiterwandern. 

Nach einigen Metern geht rechts auf einen Wiesenweg. Hier führt uns das rot-grüne VV des Vulkanrings Vogelsberg. Wir sind jetzt am Nordhang des Basaltkegels mit Flächen, die viel zu steil für eine maschinelle Bearbeitung sind. Hier sorgen die Schafe des Ulfaer Schäfers Wolfgang Schnarr dafür, dass die Flächen frei bleiben. 

Wir folgen dann ein kleines Stück dem Wirtschaftsweg und gehen dann in einem scharfen Linksknick Richtung des Bächleins Ulfa. Wer Lust hat, kann hier bis zum Bächlein hinabsteigen. Leider gibt es dort keinen Wanderweg mehr, so dass wir nach gut 200 Metern in einer 90-Grad-Kurve wieder nach rechts gehen und weiter geradeaus direkt auf eine herrliche, jahrhundertealte Linde zugehen, die als Naturdenkmal ausgewiesen ist. 

Von hier aus folgen wir dem Weg gut einen halben Kilometer, um dann in einer scharfen Rechtskurve bergan auf einem Wiesenweg in Richtung Dorf zu gehen. Eine besondere Wegweisung braucht es hier nicht. Wir kommen im Dorf direkt auf die Hauptstraße, die hier "Am Höhenblick" heißt und ihrem Namen alle Ehre machen wird. Der höchste Punkt mit rund 310 Metern befindet sich an der Kirche. Hier durchschreiten wir ein kleines eisernes Türchen und gelangen in den Kirchgarten, von wo aus wir einen grandiosen Blick in Richtung Taunus und zur Bankenmetropole Frankfurt haben. Jetzt ist der Weg nicht mehr weit. Kurz vor dem Ortsausgang halten wir uns rechts und kommen wieder zu unserem Parkplatz. 

Wandern und Lammgenuss

Wer Lust hat, diese Wanderung mit anderen zu machen und mehr über Schafe als Landschaftspfleger zu erfahren, hat dazu am Sonntag, dem 13. September 2009, in der Zeit von 14 bis 17 Uhr und am 27. September 2009, ebenfalls von 14 bis 17 Uhr, Gelegenheit. Im Anschluss an die geführte Wanderung bietet das Landgasthaus Zum Fürstengarten eine regionale Spezialität vom Stornfelser Lamm zum Preis von 15 Euro an. Um Anmeldung wird gebeten unter 06031-834225 oder per E-Mail  

Weglänge: ca. sechs Kilometer

Wanderzeit: 1 1/2 Stunden , 200 Höhenmeter

Anfahrt: von Ulfa kommend durch  Stornfels Richtung "Landhaus Fürstengarten"

Parken: "Landhaus Fürstengarten"