Kreisverwaltung Wetterau

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Tierversuche, Elefanten, Schweine auf der Autobahn, verhungerte Schäferhündin und falscher Alarm

Ein äußerst ereignisreiches Jahr 2014 liegt hinter den Amtstierärzten und den Tiergesundheitsaufsehern der Veterinärbehörde des Wetteraukreises.

Knapp 4.000 landwirtschaftliche Betriebe mit etwa 201.000 Tieren wie Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Pferde liegen in ihrem Zuständigkeitsbereich. Auch Tierpensionen, Zoofachgeschäfte, Tiertransportunternehmen, Hundezuchten, Tierheime sowie private Pflegestellen, Zirkusse und Versuchstiereinrichtungen unterliegen ihrer Genehmigung und Aufsicht. Des Weiteren obliegen Tiere, die auf Auktionen, Märkte oder Tierschauen vorgestellt werden sowie auch die ca. 260.000 Schlachttiere der Zuständigkeit des Amtes.

Hinzu kommen die Tierhaltungen in den Privathaushalten. Hier reicht die Artenvielfalt von A wie Amphibie bis Z wie Zierfisch.

Eine absolute Neuerung ist die seit 2014 geltende Erlaubnispflicht für Hundeschulen, die für die Behörde einen enormen zusätzlichen Arbeitsaufwand bedeutet. Wie Landrat Joachim Arnold und der Leiter des Veterinäramtes, Dr. Rudolf Müller, betonen, ist die klare Zielsetzung der Behörde für das Wohl und den Schutz aller Tiere im Wetteraukreis zu sorgen. Eine artgerechte Haltung der Tiere und ein verantwortungsbewusster Umgang mit den Tieren muss sichergestellt werden. Dies wird durch das fachliche Wissen, durch das große Engagement und durch den hohen Einsatz aller Mitarbeiter gewährleistet.

Seit Jahren wird eine Zunahme bei Tierschutzfällen beobachtet, in denen schlechte wirtschaftliche Verhältnisse und soziale Verwahrlosung eine große Rolle spielen.

Tierschutzwidrige Tierhaltungen gehen immer öfter mit katastrophalen Verhältnissen in den Privathaushalten der Tierhalter einher. Die Mitarbeiter des Tierschutzes waren demzufolge häufig mit Personen konfrontiert, die ihrer Lebenssituation nicht mehr gewachsen waren. Fälle dieser Art fordern ein besonderes Einfühlungsvermögen von den Amtstierärzten und den Tiergesundheitsaufsehern.

Opens internal link in current windowVernachlässigte Ziegen

Opens internal link in current windowAusgemergelte Hündin

Fakt ist außerdem, dass der Tierschutz immer mehr im Focus der Medien und der Öffentlichkeit steht – und das ist auch gut so.

Bedauerlich ist jedoch, dass sich beispielsweise die Anzeigen sogenannter Tierschützer und sogenannter Tierschutz- oder Tierrechtsorganisationen häufen, die jegliche Sachkenntnis vermissen lassen, die fachlichen Argumenten sowie ausführliche Erklärungen der Mitarbeiter des Veterinäramtes nicht akzeptieren und die die Mitarbeiter aufs schlimmste beschimpfen oder sogar massivst bedrohen.

Menschliche Bedürfnisse und menschliches Wohlbefinden wird immer öfter mit dem der Tiere gleichgesetzt. Dies ist ein großer Irrtum und unter anderem mit der immer größer werdenden Entfremdung der Menschen von der Natur begründet.

Opens internal link in current windowPferd: alt, aber nicht vernachlässigt

Opens internal link in current windowHunde nicht unter Drogen

Wenn sogenannte Tierschützer ihre Freude darüber äußern, dass ein Bulle einen Landwirt erdrückt hat und hoffen, dass das Rind noch mehr seiner „Peiniger“ töten möge, so hat das nichts mit Tierschutz zu tun, sondern ist unzweifelhaft indiskutabel.

Auch Organisationen, die sich für die Rettung der Ratten in der Kanalisation stark machen und die „Menschenrechte für Menschenaffen“ einfordern sind fehlgeleitete Tierschützer denen seitens der Gesellschaft entschieden gegenübergetreten werden sollte.

Im Jahr 2014 betrug die Zahl der Anzeigen aus der Bevölkerung 327. Diese haben zusammen mit den nötigen Nachkontrollen und den Routinekontrollen zu insgesamt 590 Überprüfungen geführt. Darüber hinaus wurden die gesetzlich vorgeschriebenen Routinekontrollen durchgeführt. Dazu zählen auch zahlreiche Kontrollen, die seitens der EU vorgegeben werden.

Nach Angaben von Dr. Isabell Tammer, der Leiterin des Fachgebietes Tierschutz, konnten mit den durchgeführten Kontrollen Missstände und Mängel in der Tierhaltung unterschiedlichen Ausmaßes sowie zahlreiche tierschutzwidrige Tatbestände entdeckt werden. In solchen Fällen wurden durch das Eingreifen der Veterinärbehörde die vorliegenden Tierschutzwidrigkeiten behoben bzw. die Tierhaltungen optimiert. Tierhalter wurden durch intensive Aufklärungsgespräche auf die Missstände hingewiesen.  

Möglichkeiten der Beseitigung und Behebung sowie Maßnahmen zur Vorbeugung wurden aufgezeigt und besprochen. Den Tierhaltern wurden fallabhängige Fristen gesetzt, in denen Gelegenheit war, die Missstände zu beseitigen. Bei gröberen Verstößen mussten die Tierhalter ein Verwarnungsgeld entrichten. Gravierende Verstöße gegen das Tierschutzgesetz sowie Tierschutzfälle, bei denen die Mängel bis zur Nachkontrolle nicht beseitigt waren, wurden mit einem Bußgeldverfahren bzw. Strafverfahren geahndet.

Im Wetteraukreis kam es 2014 in insgesamt 35 Fällen zur Einleitung von Ordnungswidrigkeitsverfahren, die im Einzelfall mit Geldbußen von 50  bis zu 1.000 Euro belegt wurden sowie zu zwei Strafverfahren.

Die gravierendste Maßnahme der Veterinärbehörde stellt das generelle Tierhalteverbot dar. 2014 wurde ein solches Tierhalteverbot in vier Fällen ausgesprochen. In einem Fall wurde eine Bestandsreduzierung angeordnet.

Illegale Tierversuche waren im Jahr 2014 ein großes Thema. Bereits 2012 hatte das Amtsgericht Gießen wegen des dringenden Verdachtes illegaler Tierversuche einen Durchsuchungsbeschluss für das Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung Bad Nauheim erlassen. Neben fünf Mitarbeitern des Veterinäramtes nahmen zwölf weitere Personen vom Regierungspräsidium Darmstadt, der Polizei und der Staatsanwaltschaft an der Durchsuchung teil. Nach monatelanger Auswertung der beschlagnahmten Unterlagen und trotz erdrückender Beweislage wurde das Verfahren 2014 gegen Zahlung eines Geldbetrages in Höhe von 72.000 Euro eingestellt. Für die Veterinärbehörde des Wetteraukreises eine nicht nachvollziehbare Entscheidung.

Die Kontrolle der Tierhaltungen in Zirkusunternehmen - wie zum Beispiel beim Opens internal link in current windowZirkus Renz - stellt eine Besonderheit bei der Arbeit im Tierschutz dar. Die Besonderheiten bei Zirkuskontrollen bedingen sich aus den immer wieder neu aufgebauten und damit den Gegebenheiten des Standortes angepassten Haltungseinrichtungen, den verschiedenen Dokumenten und Bescheinigungen und vor allem  den unterschiedlichen, zum Teil exotischen Tierarten.

So sahen sich in einem Fall die Mitarbeiter des Amtes einem Rudel von fünf Löwen und neun sibirischen Tigern gegenüber. Bei der Kontrolle eines anderen Zirkusunternehmens stand ein ausgewachsener männlicher Braunbär zur Kontrolle bereit. Gleich neben ihm in einem anderen Gehege waren zwei Affen untergebracht. Kamele und Pferde grasten auf einem umzäunten Wiesenstück gegenüber. Die Bestände wurden hinsichtlich Haltung, Fütterung, Gesundheit und Transport sowie den dazugehörigen Dokumenten kontrolliert.

Erwähnenswert ist, dass die Zirkusse, da die Unternehmen an jedem neuen Gastspielort kontrolliert werden, zu den am besten überprüften Tierhaltungen in Deutschland gehören.

Die von bestimmten sogenannten Tierschutz- oder Tierrechtsorganisationen grundsätzliche Ablehnung der Tierhaltung im Zirkus wird vom Wetteraukreis nicht geteilt. Auch hier sollte der jeweilige Einzelfall fachlich kompetent geprüft werden und das Wohlbefinden der Tiere im Vordergrund stehen. Außerdem ist auch der Wetteraukreis dazu verpflichtet die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten nach denen bis dato eine Tierhaltung in Zirkussen weiterhin statthaft ist.

Das Thema „Tiertransporte“ ist 2014 untrennbar mit einem Opens internal link in current windowschweren Unfall eines Schweinetransporters auf der A 45 verknüpft. Dieser besondere Fall zeigt deutlich die wichtige Zusammenarbeit zwischen den Behörden, Metzgern, Landwirten, Viehhändlern sowie Polizei und Feuerwehr. Daher sei an dieser Stelle noch einmal allen beteiligten Helfern herzlich gedankt.

Landrat Joachim Arnold und Dr. Müller betonen, dass die erfolgreiche Arbeit im Tierschutz generell eine außerordentlich gute Zusammenarbeit mit den Polizeidienststellen und den regionalen und überregionalen Tierschutzorganisationen voraussetzt. Insbesondere die Beschlagnahmungen und die Unterbringung von Tieren wären ohne diese besonders gute Kooperation nicht möglich gewesen.

Darum gilt an dieser Stelle ein besonderer Dank dem Tierheim Wetterau e.V., dem Tierschutzverein Butzbach e. V. sowie der Katzenhilfe Bad Nauheim und der Hundenothilfe 4 Pfoten e.V.

Ebenfalls sprachen sie ihre Anerkennung all den Bürgerinnen und Bürgern aus, die mit offenen Augen durch den Wetteraukreis gehen,  begründete Missstände zur Anzeige bringen, sich zu ihren Aussagen bekennen und als Zeugen zur Verfügung stehen.

Weitere Fälle aus dem Jahr 2014

Opens internal link in current windowTiergesundheit im Kuhstall

Opens internal link in current windowVerlassener Schweinetransporter

Opens internal link in current windowVerlassene und vernachlässigte Kaninchen

Opens internal link in current windowIllegaler Hundehandel

Gesundheitsausweis: keine Sprechtage am 20./21. 12.

Am Mittwoch, den 20.12.2017 und am Donnerstag, den  21.12.2017 finden keine Sprechtage zum Gesundheitsausweis statt.

Wetteraukreis

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