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Wildsaat

Was ist Wildsaatgut?

Wenn man Saatgut für Rasen oder Grünflächen kauft, handelt es sich dabei meist um die Samen von züchterisch veränderten Pflanzen. Die Mischungen haben vor allem einen hohen Anteil an Gräsern oder bestehen nur aus Gräsern. Für Sportrasen oder andere stark beanspruchte Flächen macht dies ja auch Sinn. Durch spezielle Züchtung sind die Pflanzen gezielt darauf ausgelegt, kleinwüchsig und strapazierfähig zu sein sowie eine dichte Grasnarbe zu bilden.

Im Unterschied dazu handelt es sich bei Wildsaatgut um die Samen von wild vorkommenden Pflanzenarten, die nicht auf bestimmte Eigenschaften selektiert und züchterisch bearbeitet wurden. Das Saatgut wird lediglich durch Anbau der Wildpflanzen vermehrt und gewonnen. Ein Wildpflanzenbestand zeichnet sich gegenüber einem Bestand aus Zuchtsorten durch eine höhere Toleranz aus was zum Beispiel die Widerstandsfähigkeit gegen Trockenphasen betrifft.

Warum aus regionaler Herkunft?

Viele Pflanzenarten haben ein sehr großes Verbreitungsgebiet. Da aber die Befruchtung der Arten nicht über große Entfernungen, zum Beispiel von Süd- nach Nordeuropa, funktioniert, gibt es immer regionale oder sogar lokale Bestände, die besser an die örtlichen Standortbedingungen - wie Boden oder Klima - angepasst sind.

Somit wäre es unsinnig, zum Beispiel Saatgut von Gänseblümchen aus Südfrankreich in Brandenburg auszubringen. Das südfranzösische Gänseblümchen ist in Brandenburg gebietsfremd, weil es sich um einen anderen so genannten Ökotyp handelt, als den, der in Brandenburg natürlicherweise vorkommt.

Um nun durch die Verwendung von artenreichen Wildsaatgutmischungen keine fremden Ökotypen auszubringen, geschieht die Vermehrung und Gewinnung des Saatgutes auf der Basis von verschiedenen Herkunftsregionen und in festgelegten Produktionsräumen. Anhand eines Zertifikats ist erkennbar, ob es sich um Wildsaatgut aus regionaler Herkunft handelt.

Welche Vor- und Nachteile hat Wildsaatgut?

Die Verwendung von Wildsaaten ist ökologisch gesehen enorm vorteilhaft. Viele Flächen, die nur ein Funktionsgrün sind, könnten durch eine höhere Vielfalt an Pflanzenarten ökologische Funktionen erfüllen:
Bei den Pflanzen beginnt die Nahrungskette – Blüten werden von Insekten besucht, Insekten und Sämereien zum Beispiel von Vögeln gefressen. Die Verarmung der Tierwelt in unserer Landschaft hat offenkundig mit dem Fehlen einer Nahrungsbasis durch Blüten und Unkrautsamen zu tun.

Optisch sind artenreiche Grünflächen sehr ansprechend, da sie sich nahezu über die gesamte Vegetationszeit hinweg durch einen Blühaspekt auszeichnen. Sie sind auch deutlich toleranter gegenüber extremen Witterungseinflüssen wie zum Beispiel lange Trockenphasen. Wenn es sich nicht um Flächen handelt, die ständig kurzrasig sein müssen oder nicht laufend beansprucht werden, ist die Pflege zum Beispiel von Blumenrasen mit drei bis fünf Schnitten pro Jahr kostensparend gegenüber häufigerer Rasenpflege.

Nachteilig sind die vergleichsweise hohen Kosten für das Saatgut im Vergleich zu herkömmlichen Saatmischungen. Aber besonders bei größeren Bauprojekten, bei denen die Anlage von Grünflächen ohnehin nur einen Bruchteil der Kosten ausmacht, fällt der finanzielle Mehraufwand letztlich kaum ins Gewicht und amortisiert sich durch die bereits genannten Vorteile.

Worauf ist bei der Ansaat zu achten?

Die Ansaat von Wildpflanzen birgt einige Fehlerquellen. Hier in Kürze die wichtigsten Tipps:

  • Die  Bodenvorbereitung ist immens wichtig für den Erfolg. Die  Einsaatfläche muss praktisch konkurrenzfrei sein. Nachsaat in eine Grasnarbe ist nicht empfehlenswert, da die Gräser die Keimlinge unterdrücken. Aufkommende Wurzelunkräuter können später die Optik der Ansaat stören. Der Boden muss feinkrümelig aufbereitet sein.
  • Die Ansaat erfolgt im Frühling oder Spätsommer bei feuchter Witterung – die Samen benötigen mindestens drei Wochen feuchten Boden um zu keimen.
  • Das Saatgut wird nur auf den Boden gestreut und ggf. angewalzt. Keine Einarbeitung in den Boden.
  • Etwa acht bis zehn Wochen nach dem Auflaufen der Keimlinge sollte ein Pflegeschnitt mit 5 cm Schnitthöhe durchgeführt werden, um unerwünschte Pflanzen zu unterdrücken. Pflegeschnitte ggf. wiederholen – vor der Samenreife der Unkräuter.
  • Das sehr feinkörnige Saatgut kann mit Sand und Füllmaterialien auf eine bestimmte Aussaatstärke gestreckt werden. Unter Umständen kann eine dünne Mulchauflage (Strohhäcksel, Heu) die Keimlinge vor Austrocknen oder Vogelfraß schützen.

Rechtliche Grundlagen

Paragraf 40, Absatz 4 des Bundesnaturschutzgesetzes regelt seit 2009, dass keine Ausbringung von gebietsfremdem Saatgut in der „freien Natur“ mehr erfolgen soll. Ab dem 1. März 2020 ist deren Verwendung verboten.

Dies gilt somit zum Beispiel für die Neuanlage von Grünland als naturschutzrechtliche Kompensationsfläche, bei der Einsaat von Erdbauwerken oder nach Gewässerrenaturierungen. Zwar gilt die Vorschrift nicht für den Siedlungsbereich (und landwirtschaftliche Anwendungen), private und kommunale Grünflächen bieten hier aber ein großes Potenzial: Die Verwendung von Wildsaatgut aus regionaler Herkunft für alle geeigneten Flächen ist DIE Chance, die Artenvielfalt in Siedlungsräumen und im Offenland zu fördern. Auch wenn keine Verpflichtung besteht, zum Beispiel kommunale Grünanlagen mit Wildsaatgut einzusäen, so empfiehlt es sich aber wegen der positiven Wirkungen für die Natur.

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Zuständig

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