Kreisverwaltung Wetterau

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20 Jahre Selbsthilfe-Kontaktstelle

Eine Gruppe Frauen und Männer auf einer kleinen Bühne

Von links: Dr. Reinhold Merbs (Leiter des Fachbereichs Gesundheit, Veterinärwesen und Bevölkerungsschutz), Jürgen Matzat (Leiter der Landesarbeitsgemeinschaft Hessischer Selbsthilfe-Kontaktstellen), Anette Obleser Leiterin der Selbsthilfe-Kontaktstelle des Wetteraukreises), Susanne Strombach (AOK), Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch und der Poetry Slammer Juston Buße

Über 160 Selbsthilfegruppen gibt es im Wetteraukreis. Wer da ein passgenaues Angebot für sich sucht, ist damit schnell überfordert. Hilfesuchende können sich deshalb an die Öffnet externen Link in neuem FensterSelbsthilfe-Kontaktstelle in der Kreisverwaltung wenden, die in diesem Jahr 20 Jahre alt wird. Kürzlich fanden die Feierlichkeiten zum Jubiläum statt.

„Selbsthilfe in psychisch belastenden Lebenslagen und bei chronischen Erkrankungen ist ein wichtiges Instrument, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen“, so Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Stephanie Becker-Bösch in ihrem Grußwort bei der Feier im Friedberger Kreishaus. Sie unterstützt die Arbeit der Selbsthilfe-Kontaktstelle deshalb gerne.

Großer Andrang bei der Feier

Rund 150 Gäste aus verschiedenen Selbsthilfeorganisationen waren zu den Feierlichkeiten gekommen. Die Koordinatorin der Selbsthilfe-Kontaktstelle beim Wetteraukreis, Anette Obleser, bedankte sich bei den Gästen mit den Worten, dass die Feierlichkeiten auch ein Dank an die in der Selbsthilfe engagierten Ehrenamtlichen sei, die teilweise seit vielen Jahren eine wichtige Arbeit in der Region leisteten. In ihrem Vortrag zeichnete Obleser die 20-jährige Geschichte der Selbsthilfe-Kontaktstelle nach.

Es begann mit den Wetterauer Frauengesundheitstagen

Im Jahr 1998 bat das Frauenzentrum Wetterau die Kreisverwaltung um Unterstützung der ersten Wetterauer Frauengesundheitstage. Im Rahmen dieser Veranstaltung kam die Verwaltung erstmals in Kontakt mit vielen Selbsthilfe-Organisationen. So war der Entschluss gereift, dass der Fachdienst Gesundheit nicht nur professionelle ärztliche Hilfe anbieten und unterstützen muss, sondern auch Selbsthilfe mehr in den Blick nehmen werde.

1999 erfolgte die Anmeldung der Selbsthilfe-Kontaktstelle bei der „Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfe“. Dies gilt als eigentliche Geburtsstunde der Selbsthilfe-Kontaktstelle im Wetteraukreis.

Im Laufe der Jahre entstanden weitere Initiativen und Kooperationen. So gibt der Wetteraukreis seit dem Jahr 2000 in Kooperation mit der „Bürgeraktive Bad Vilbel“ halbjährlich eine Selbsthilfezeitung heraus, die sich jeweils einem Schwerpunktthema widmet.

Seit 2008 findet in wechselnden Formaten eine öffentliche Präsentation der Selbsthilfegruppen statt, beispielsweise als Selbsthilfe-Meile in Bad Nauheim.

Seit 2014 ist das Selbsthilfeportal des Wetteraukreises unter selbsthilfe.wetterau.de online und biete so auch außerhalb der Bürozeiten Informationsleistungen an.

Informationen und Fortbildungen

Neben der Information für all jene, die eine passende Selbsthilfegruppe suchen, bietet die Selbsthilfe-Kontaktstelle auch wichtige Unterstützung bei der Gründung von Selbsthilfegruppen und bei Fortbildungen. Interessierte, die eine Selbsthilfegruppe leiten möchten, können beispielsweise Moderationstechniken oder Fähigkeiten in gewaltfreier Kommunikation sowie im Datenschutz erlernen.

Früher nicht ernst genommen, heute wichtige Stütze

Jürgen Matzat, Leiter der Landesarbeitsgemeinschaft Hessischer Selbsthilfe-Kontaktstellen betonte in seinem Grußwort, wie sehr sich die Sicht auf Selbsthilfegruppen in den letzten Jahren gewandelt habe. Früher sei nicht ernstgenommen worden, heute sei das anders. Im Laufe der Zeit hat sie sich zur vierten Säule im Gesundheitswesen entwickelt.

Zu dieser Einschätzung kam auch Dr. Reinhold Merbs, Leiter des Fachbereichs Gesundheit, Veterinärwesen und Bevölkerungsschutz. So sei die Selbsthilfe, wenngleich sie ein kleiner Teil des Gesundheitswesens darstelle, doch wichtig. Selbsthilfe könne eine Ressource bieten, die sonst im Bereich Gesundheit fehle: Zeit! Durch Gespräche könnten die Menschen lernen, mit ihren Einschränkungen umzugehen, sie fänden Gehör und würden nicht ständig einen Arzt aufsuchen. So bliebe den Ärzten mehr Zeit um akute Notfälle zu behandeln. Eine weitere positive Eigenschaft von Selbsthilfegruppen: Sie würden das Gemeinschaftsgefühl stärken und dem Trend der Vereinsamung entgegen wirken.

Eine andere Perspektive bot Susanne Strombach von der AOK, als sie erläuterte, wie Krankenkassen Selbsthilfegruppen und Selbsthilfe-Kontaktstellen finanziell in Form von Pauschalen und Projektförderung unterstützen. Auch die Krankenkassen hätten erkannt, dass Selbsthilfe niedrigschwellig Unterstützung biete und deshalb die Förderung für die Selbsthilfearbeit im Laufe der Jahre stets erhöht.

Musikalische und poetische Umrahmung des Abends

Auf komödiantische Art nahm sich der Poetry Slammer Juston Buße die Vorurteile gegenüber Selbsthilfegruppen vor. In seinen Reimen schien er zunächst alle Vorurteile zu bestätigen, um dann in einer unerwarteten Wende aufzuzeigen, wie er einst selbst durch eine Selbsthilfegruppe von seinen Süchten los gekommen sei. Selbsthilfe habe ihm ermöglicht, 20 Jahre später die Bühnen der Republik zu bereisen und von seiner Arbeit leben zu können.

Musikalisch umrahmt wurde der Abend von dem Kulturpreisträger des Wetteraukreises des Jahres 2014, Martin Schnur, der die Gäste mit seinen heiteren Nummern in Stimmung zu versetzen wusste.

Selbsthilfe macht schlau

Der Abend endete mit einem Appell von Anette Obleser. Sie ermutigte, Selbsthilfegruppen zu besuchen. Selbsthilfe führe dazu, zum mündigen Patienten zu werden und dem Arzt auf Augenhöhe zu begegnen.

veröffentlicht am: 28.11.2019

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