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"Alles hat seinen Grund..."

Heike Häming mit einem Familienbrett. Foto: Adrian Nestoriuc

Die beruflichen Möglichkeiten nach einem Psychologie-Studium sind vielfältig. Heike Häming legte während ihres Psychologie-Studiums in Mannheim ihren Fokus auf die Pädagogische und Klinische Psychologie. Während ihres Studiums lernte sie auch die Arbeit in einer psychiatrischen Fachklinik kennen. „Die starre Hierarchie in solchen Einrichtungen, das Verständnis von den Menschen, die Hilfe suchen als Patienten, das war nichts für mich. In der Klinik spricht man von Patienten, in der Beratungsstelle sind es Klienten. Das ist ein Unterschied: Kommunikation auf Augenhöhe und das Vertrauen in die Klienten, selbst etwas verändern zu können, sind mir wichtig“, sagt Heike Häming.

Bevor die 33-jährige Diplom-Psychologin vor zwei Jahren beim Wetteraukreis anfing, arbeitete sie in Nordrhein-Westfalen in einer schulpsychologischen Beratungsstelle. „Das hat mir damals schon viel Spaß gemacht, weil die tägliche Arbeit mit vielen Freiheiten verbunden ist. Ich war gerne Ansprechpartnerin für Schüler und Eltern. Meine Erfahrung hat aber auch gezeigt, dass das System Schule mitunter sehr starr und rigide sein kann.“ Um den Fokus mehr auf die Beratung von Eltern und ihren Kindern legen zu können, wollte sie in die Erziehungsberatung wechseln, „was ja auch geklappt hat.“

Welche persönlichen Fähigkeiten werden gebraucht?

Wer andere Menschen beraten, will sollte kommunikativ sein, emphatisch und wertschätzend. Er oder sie sollte fähig sein, eine neutrale Perspektive einnehmen und mit Konflikten umgehen können. „Ich erteile keine Ratschläge, sondern stelle Fragen, mit denen ich die oft festgefahrene Sicht auf ein bestimmtes Problem erweitern will. Ich möchte den Tunnelblick aufbrechen und zeige Lösungswege auf“, erläutert Heike Häming ihre Arbeit. Ob sie gerne mit Menschen umgeht? „Ja, definitiv. Mein Interesse an anderen Menschen, an ihrer Geschichte und ihrer Sicht auf die Dinge hat mich zu meinem Beruf gebracht. Es ist doch spannend, wie unterschiedlich wir Menschen sind. Und trotz aller Unterschiede schaffen wir es meistens, gut miteinander klar zu kommen.“

Wenn es aber nicht klappt, wenn der Sand im Getriebe des Miteinanders knirscht und der Leidensdruck steigt, dann gibt es Einrichtungen wie zum Beispiel die Erziehungsberatungsstelle des Wetteraukreises. Mit einem breiten Angebot: Elternberatung, Familienberatung für Eltern, Kinder und Jugendliche, Beratung für Jugendliche in Krisensituationen, Fachberatung und Risikoeinschätzung bei Anzeichen von Kindeswohlgefährdung und Beratung für strittige Eltern aufgrund gerichtlicher Empfehlung. Seit letztem Jahr wird auch eine Außensprechstunde in Büdingen angeboten, an zwei Donnerstagen im Monat im Familienzentrum Planet Zukunft.

Bedarf nach Erziehungsberatung steigt

Heike Häming arbeitet seit zwei Jahren in der Beratungsstelle, die vergangenes Jahr innerhalb Friedbergs in die Bismarckstraße 25 umgezogen ist. „Meine Beobachtung ist eine steigende Nachfrage nach Erziehungsberatung“, sagt die Diplom-Psychologin. „Viele Eltern informieren sich im Internet über uns und kommen aus eigenem Antrieb dienstags in die offene Sprechstunde.“ Andere werden von der Schule, dem Kindergarten oder dem Kinderarzt empfohlen. Der Druck ist groß, bevor Menschen in die Beratung kommen, aber das Angebot ist freiwillig und die Beraterinnen und Berater haben Schweigepflicht.

Und noch eines fällt auf: „Wir merken, dass die Komplexität familiärer Probleme zugenommen hat. Gerade deshalb ist die Vernetzung mit anderen Fachkräften im familiären Kontext, zum Beispiel mit Erzieherinnen, Lehrkräften und Kinderärzten so wichtig.“ Und wenn Beratung alleine nicht ausreicht? „Dann zeigen wir andere Möglichkeiten auf, verweisen weiter, zum Beispiel zum Jugendamt, das intensivere Hilfen zur Erziehung anbieten kann, oder raten dazu, eine Psychotherapie zu beginnen. Es kommt auf den jeweiligen Bedarf an.“

„Alles hat seinen Grund…“

„Ich versuche in der Beratung die Frage zu klären, welches eigentliche Bedürfnis hinter einem bestimmten Problemverhalten steckt. Und da komme ich mit den Klienten oft zu ganz überraschenden Ergebnissen und Lösungsansätzen. Denn alles hat seinen Grund und passiert nicht einfach so“, sagt Heike Häming. „Das erlebe ich in Beratungssituationen immer wieder.“

Familienbrett, Puppenhaus und Stoffpuppen

Wo Worte fehlen, lässt sich gut mit Symbolen arbeiten. Zum Beispiel mit dem Familienbrett, einem Holzbrett, auf dem kleine Figuren oder Symbole aufgestellt werden, die Personen oder Prozesse darstellen. So lassen sich zum Beispiel Beziehungsgefüge innerhalb von Familien oder von Personen untereinander darstellen. Im Kontakt mit Kindern eignen sich auch ein Puppenhaus, Stoffpuppen oder Karten, auf denen Aussagen stehen, wie zum Beispiel: „Wenn ich Sorgen habe, weiß ich, wem ich davon erzählen kann.“ Beim Spiel mit dem Puppenhaus kann das Kind erzählen, wie sein Alltag aussieht und welche Wünsche es in Bezug auf die Familie hat.

Gefragt, was das Besondere an ihrem Beruf ist, muss Heike Häming nicht lange nachdenken: „Die Vielfalt der Menschen, die mir täglich begegnen, die Einblicke in die großen und kleinen Herausforderungen von Familien, sich in Gesprächen auf das einzulassen was kommt, ohne es vorher genau zu wissen, keine vorgefertigten Lösungen parat haben, sondern diese mit den Familien zu entwickeln.“

In der Freizeit reist sie gerne, erlebt andere Kulturen und Menschen, geht schwimmen oder wandern und malt gerne. „Meine Arbeit besteht zum großen Teil aus Gesprächen. An der Malerei gefällt mir besonders, dass das Ergebnis meines Schaffens Dinge sind, die ich in der Hand halten kann: echte Kunstwerke.“

veröffentlicht am: 07.08.2018

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