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Eine Impfung gegen (Gebärmutterhals)krebs

Dr. Reinhold Merbs, Leiter des Fachbereichs Gesundheit, Veterinärwesen und Bevölkerungsschutz und Carmen Diehl

Jedes Jahr erkranken in Deutschland fast 8.000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Auslöser des Gebärmutterhalskrebses sind Humane Papillomviren (HPV), von denen bestimmte Typen, Krebsarten und Krebsvorstufen auslösen können. Gesundheitsdezernentin Stephanie Becker-Bösch rät deshalb zu einer vorbeugenden Impfung die gegen die Viren immunisiert und eine Kassenleistung ist.

Die Ansteckung mit HPV erfolgt von Mensch zu Mensch, vor allem über Haut- und Schleimhautkontakte. Mit einer Impfung kann man Gebärmutterhalskrebs, aber auch Scheiden- und Analkrebs sowie Genitalwarzen vorbeugen, die ebenfalls durch die Humanen Papillomviren übertragen werden.

„In anderen europäischen Ländern ist die HPV-Impfung für Jungen und Mädchen schon seit Längerem empfohlen, wie etwa in Großbritannien oder Dänemark, wo Untersuchungen zeigen, dass die Anzahl an neuen HPV-Infektionen und HPV-bedingten Gewebeveränderungen im Genitalbereich gesenkt werden konnte“, erläutert Amtsarzt Dr. Reinhold Merbs, der deshalb die  HPV-Impfung empfiehlt.

Die Untersuchungen sind signifikant. Mit der Steigerung der Impfquote sinkt die Zahl der Infektionen und der damit einhergehenden Krankheiten. In Deutschland werden die Kosten einer HPV-Impfung von den Krankenkassen übernommen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung für Mädchen und Jungen im Alter von neun bis 17 Jahren, am besten schon mit neun Jahren, da das Immunsystem umso besser auf die Impfung reagiert, je jünger die geimpften Personen sind. Zudem sind bis zum Alter von 14 Jahren nur zwei Impfdosen nötig anstatt später drei Impfungen.

„Geimpft wird in die Muskulatur des Oberarms. Die Impfstoffe sind gut verträglich. Die Impfstoffe enthalten Partikel, die echten Viren ähneln, aber keine Erkrankung auslösen können“, erläutert Amtsarzt Dr. Merbs.

Interview mit einer Betroffenen: Carmen Diehl

Wie wichtig eine solche Impfung sein kann, darüber haben wir mit Carmen Diehl gesprochen, die an einer Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs erkrankt war. Die 41-Jährige erkrankte nach einer Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV) an einer Vorform des Gebärmutterhalskrebses.

Frage: Frau Diehl, aktuell wird ganz intensiv über die Impfpflicht bei Masern gesprochen. Die Folgen einer Nichtimpfung gegen HPV sind freilich wesentlich gravierender. Hätten Sie diese Impfung gemacht, wenn Sie davon gewusst hätten?

Carmen Diehl: Als ich in dem Alter war, gab es diese Impfung für Mädchen noch nicht. Die Impfung gibt es ungefähr seit zehn Jahren, und kurz nachdem das bekannt wurde, habe ich auch meine Tochter schon im Alter von zehn Jahren impfen lassen. Das wurde damals auch so empfohlen. Der Gebärmutterhalskrebs hat ja überwiegend eine chronische Virusinfektion als Ursache. Das kann zu Zellveränderungen im Sinne von Krebs führen. Die Impfung bekämpft das ursächliche Virus.

Ich muss zu meinem Glück sagen, dass bei mir die Krankheit noch in einem frühen Stadium erkannt wurde. Der Krebs war noch nicht ausgebrochen. Der Befund des Abstrichs ergab einen Verdacht auf eine Gewebeveränderung oder auf Krebs in einem Frühstadium.

Frage: Wie haben Sie denn die Diagnose erfahren?

Carmen Diehl: Ich habe die Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt regelmäßig mitgemacht. Daraus hat sich der Befund ergeben. Ich war dann in der Dysplasie-Sprechstunde im Hochwaldkrankenhaus in Bad Nauheim. Da wurde ich sehr gut beraten. Die Frage war dann, Operation oder Beobachtung. Ich entschied mich für die Operation, die dann auch kurze Zeit später stattfand.

Frage: Was ist das für ein Eingriff?

Dr. Reinhold Merbs: Bei dem Eingriff, einer sogenannten Konisation, wird das erkrankte Gewebe trichterförmig aus dem Gebärmutterhals ausgeschnitten. Die restliche Gebärmutter bleibt davon unberührt. Das Wundgebiet verheilt wieder.

Frage: Ihre Krankengeschichte zeigt wie wichtig es ist, regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen.

Dr. Reinhold Merbs: Ja, ganz genau, durch die Abstrich Untersuchungen beim Frauenarzt können Zellveränderungen festgestellt werden, ggf. erfolgt eine Biopsie, also die Entnahme von Gewebe. Bei einem krankhaften Befund wird durch die Konisation versucht sämtliches veränderte Gewebe zu entfernen.

Vorsorgeuntersuchungen werden zu wenig genutzt

Frage: Was gibt es zu dieser HPV Impfung zu sagen?

Dr. Reinhold Merbs: Das ist eine der teuersten Impfungen, die die STIKO empfiehlt und ist Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Das ist ein Vorsorgeangebot der Gesellschaft an ihre Mitglieder. Jeder und jede hat die Gelegenheit, dieses Angebot auch zu nutzen und sollte es am besten auch tun.

Die Impfung gilt im Übrigen auch für Jungs, denn neben Gebärmutterhalskrebs gibt es noch andere, weniger schwerwiegende Krankheiten, die durch die Humanen Papillomviren übertragen werden, wie zum Beispiel Genitalwarzen. Ungeimpfte Jungs, sind natürlich auch potentielle Überträger und können durch Geschlechtsverkehr später eine (ungeimpfte) Partnerin anstecken.

Wenn ich aber am Anfang der Geschichte mit einer banalen Impfung dem Virus keine Möglichkeit gebe, in mir als Organismus zu leben, zu wachsen und sich zu vermehren und womöglich Krebs entstehen zu lassen, löse ich das Problem schon, bevor es entsteht. Die überwiegende Zahl der Fälle an Gebärmutterhalskrebs würde so nicht mehr entstehen können.

Frage: Eine Impfung gegen Krebs, da ist es doch wiederum verwunderlich, dass nicht alle Menschen diese Chance nutzen?

Dr. Reinhold Merbs: Vielleicht liegt es daran, das die Mädchen im idealen Impfalter nicht mehr regelmäßig beim Kinderarzt vorstellig werden, wie im Kindesalter mit den U-Untersuchungen, gleichzeitig aber noch zu jung für den Besuch beim Frauenarzt sind. Hier versuchen wir durch vermehrte Aufklärung der Eltern Bewusstsein zu schaffen.

Carmen Diehl: Was für die Impfung spricht, ist die einfache Überlegung, dass sie mit so wenig ein Leben retten kann und ein Kind nicht ohne Mama aufwachsen muss, so wie ich das im Bekanntenkreis erlebt habe.

Frage: Haben Sie nach der Diagnose und der Operation sich an eine Selbsthilfegruppe gewandt?

Carmen Diehl: Ja. Bei der Frage zu einer psychologischen Betreuung bin ich auf die Selbsthilfegruppe nach Krebs gestoßen, die mir große Unterstützung gegeben hat. Nach meiner Operation habe ich über meine Tochter vier Mädchen kennengelernt, deren Mütter an Gebärmutterhalskrebs gestorben sind. Vier Mädchen, die ohne ihre Mutter weiterleben müssen. Das hat mich sehr schockiert.

veröffentlicht am: 25.04.2019

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