Kreisverwaltung Wetterau

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Flüsse, Bäche, Seen und Teiche - Wasser und Bodenschutz

Besprechungssituation, im Hintergrund Schränke mit Akten

Von links: Peter Girschick, Marion Richter und Thomas Buch.

Die Fachstelle Wasser und Bodenschutz des Wetteraukreises ist Teil des Fachdienstes Kreisentwicklung in der Kreisverwaltung. Als Teil der Hessischen Umweltverwaltung nimmt sie die Aufgaben der Unteren Wasserbehörde wahr. 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Ingenieure verschiedener Fachrichtungen, Verwaltungsfachangestellte und Beamte sind hier beschäftigt.

Thomas Buch, Leiter der Fachstelle und selbst Ingenieur der Fachrichtung Wasserbau, umreißt das Spektrum der Aufgaben der Fachstelle mit allen Disziplinen, die mit dem Schutz der Lebensgrundlage Wasser und des Bodens zu tun haben: „Wir überwachen den ordnungsgemäßen Betrieb von Kläranlagen, und die Nutzung von Flüssen, Bächen, Seen und Teichen.“

Marion Richter, ebenfalls Wasserbauingenieurin, berichtet von ihrem letzten Außendiensttermin, zu dem sie an die Nidda gerufen wurde, weil ein Landwirt sich um die Uferabbrüche sorgte (die gehören dazu, wenn sich die Nidda ihr neues Bett gräbt). Es ging um Katzenstreu, die ein Zeitgenosse regelmäßig in größeren Mengen in Ranstadt im Laisbach entsorgt (statt sie dem Hausmüll zuzuführen), und die Begutachtung eines Biberdammes. (Die Arbeit des possierlichen Nagers in der Kulturlandschaft schafft nicht nur Freunde.)

Biber sind streng geschützt, aber sein Damm sorgt an manchen Stellen für Probleme, etwa wenn ein Acker vernässt wird oder ein Entwässerungsgraben verstopft. „Wir suchen in solchen Fällen immer nach einem für alle tragbaren Kompromiss“, sagt Thomas Buch, womit er eigentlich die Herangehensweise der Fachstelle insgesamt beschreibt, denn einfache Lösungen gibt es selten.

Ein weiterer wichtiger Bereich der Arbeit in der Fachstelle ist der Grundwasserschutz im Zusammenhang mit wassergefährdenden Stoffen. Dazu gehört die regelmäßige Überwachung von Tankstellen durch Sachverständige. Etwa 30 bis 40 Mal im Jahr, meist am Wochenende oder in der Nacht, passieren Unfälle mit wassergefährdenden Stoffen, insbesondere dann, wenn ein Lkw an einem Unfall beteiligt ist. „Dann werden wir zum Schadensfallmanagement herangezogen und sorgen dafür, die Umweltschäden soweit wie möglich gering zu halten“, schildert Peter Girschick, zuständiger Sachbearbeiter in der Fachstelle.

Rund um die Uhr erreichbar

Um den Gewässerschutz jederzeit sicherzustellen, gibt es einen Gewässerschutz-Alarmplan, der die Verfügbarkeit von qualifizierten Fachleuten jederzeit gewährleistet. So etwa, wenn auf der Autobahn A5 bei Ober-Mörlen der Tank eines Lkws reißt und mehrere 100 Liter Diesel ins Erdreich zu laufen drohen.

Die Arbeiten vor Ort werden meist von der Feuerwehr schon vorbereitet. „Die gewässerschützenden Maßnahmen koordinieren wir dann zusammen mit der Feuerwehr, zum Beispiel die Absperrung von Abwasserkanälen, wo später dann Fachfirmen das ausgelaufene Öl absaugen können. Immerhin kann ein Liter Diesel bis zu einer Million Liter Trinkwasser verunreinigen“, berichtet Thomas Buch.

Aber nicht nur Diesel gefährdet das Grundwasser, selbst Milch oder Blut aus einem Schlachtbetrieb kann gefährliche Folgen haben, vor allem weil es den Sauerstoff im Wasser bindet und die Ökologie im Bach umkippen lässt. Ein Fischsterben ist die Folge.

Zu den Aufgaben der Fachstelle gehört auch die Überwachung von rund 50.000 Heizöllagerstätten, wie es in der Fachsprache heißt. Es handelt sich um Heizöltanks, für die es verschiedene Überwachungsszenarien gibt, je nachdem, ob sie in Schutz- oder Überschwemmungsgebieten liegen. Auch hier arbeitet die Fachstelle mit Sachverständigen zusammen, denn mit den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wäre die Überwachung einer derart hohen Zahl nicht zu stemmen. Die meisten Schäden entstehen übrigens nicht durch überalterte Anlagen, sondern beim Befüllen von Heizöltanks. Zum Glück gibt es da aber nur wenige Fälle.

Dürrejahre setzten dem Wasserhaushalt zu

Die beiden vergangenen Jahre waren von extremen Dürren gekennzeichnet. „Rund 600 Millimeter Niederschlag rechnet man in unseren Regionen pro Jahr. In beiden Jahren zusammen fehlt rund ein Drittel. Vor allem im Jahr 2018 hat es zu wenig geregnet. Im Jahr 2019 zwar etwas mehr, aber dafür war es viel heißer“, erinnert Thomas Buch.

Manche Bäche hatten nicht nur extremes Niedrigwasser, manche waren am Oberlauf auch vollkommen trockengefallen. Das erste Wasser entstand mit dem geklärten Wasser aus der ersten Kläranlage. Für die Wasserwirtschaft bedeutet das eine extreme Herausforderung. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Wasserverteilung sich rapide ändern wird. Vielleicht werden wir wieder auf die 600 Millimeter in diesem Jahr kommen. Es hat ja im Februar und auch jetzt im Mai heftig geregnet“, hofft Thomas Buch.

Die Verteilung wird künftig allerdings anders sein: nach Tagen mit extremem Regen werden wieder Wochen totaler Trockenheit folgen. Wenn es aber mehrere Wochen nicht geregnet hat, ist die Oberfläche so trocken, dass sie den Regen gar nicht aufnehmen kann, so dass der dann einfach abfließt, was sich an manchen Stellen als Hochwasser manifestiert. „Zusammen mit den Kommunen müssen wir Konzepte entwickeln, wie wir uns für solche Situationen aufstellen. Wasser sparen zum einen, aber auch Renaturierungen, um Wasser dort zu halten, wo es am besten gespeichert wird, nämlich vor Ort und nicht in großen baulichen Anlagen.“

Die Corona-Pandemie macht so manche Arbeit wesentlich schwieriger. „Wir telefonieren zwar viel und die eine oder andere Telefonkonferenz hat auch schon stattgefunden, aber wichtige Abstimmungstermine vor Ort müssen ausfallen. Wir hoffen, dass der Lockdown bald ein Ende hat und wir diese Termine baldmöglichst nachholen können“, so Thomas Buch.

veröffentlicht am: 18.05.2020

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