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Hexenverfolgung in der Grafschaft Büdingen

Landrat Jan Weckler zusammen mit Joachim und Susanne Cott, die die Ausstellung konzipierten.

„Hexenwahn und Teufelsglaube“ ist der Titel einer Ausstellung, die bis 31. Mai im Friedberger Kreishaus gezeigt wird. Die 24 Infoplakate sind eine Leihgabe des Geschichtsvereins Büdingen. Landrat Jan Weckler hat die Ausstellung zusammen mit Joachim Cott, dem Vorsitzenden des Büdinger Geschichtsvereins, eröffnet.

Elisabeth Gaul, gestorben 1596 an den Folgen der Tortur. Anna Datten, gestorben 1597 durch Selbstmord. Die Witwe Barbara Becker, gestorben 1632 auf dem Scheiterhaufen. Drei von 455 Frauen - und 54 Männern - die in der Grafschaft Büdingen wegen Zauberei angeklagt worden waren. Sie wurden enthauptet, hingerichtet, verbrannt, des Landes verwiesen oder begingen Selbstmord, einige wurden auch freigelassen. Die Namen, Jahreszahlen und Orte entstammen dem Buch „Hexenprozesse in der Grafschaft Büdingen“ von Dr. Walter Nieß. Nachzulesen in der Ausstellung „Hexenwahn und Teufelsglaube“, die Landrat Jan Weckler zusammen mit Joachim Cott vom Büdinger Geschichtsverein eröffnet hat.

Im 16. und 17. Jahrhundert erlebten die Hexenprozesse ihren traurigen Höhepunkt. Rechtliche Grundlage der Prozesse bildete die peinliche (peinlich, weil mit der Befragung auch Folter verbunden war) Halsgerichtsordnung Kaiser Karl V. von 1532. Die Gründe für die Hochkonjunktur der Hexenverfolgung waren vielfältig: Die kleine Eiszeit mit Hungersnöten, Missernten und Kälteperioden im Gefolge, Seuchen und Krieg, die Kirchen, die Vermischung von Glaube und Aberglaube, der Buchdruck, der die Verbreitung von so genannten Hexenzeitungen beförderte. Oft reichten private Fehden, Erbstreitigkeiten, Neid oder Eifersucht aus, um eine missliebige Person als Hexe zu denunzieren. Weil zudem an vielen Universitätsfakultäten die Hexenverfolgung gelehrt und gefördert wurde, verbreitete sie sich auch unter Akademikern.

Unrühmliche Rolle der Grafen von Büdingen…

Glaubt man der Ausstellung, so war die Grafschaft Büdingen dem Hexenwahn besonders verfallen. Hexenprozesse fanden vor weltlichen Gerichten statt, die Grafen hätten also durchaus dagegen einschreiten können. Die Realität sah jedoch anders aus: Die Grafen taten weder etwas gegen die Denunziationen der von den Pfarrern aufgestachelten Bürger, noch gegen eifrige Amtmänner, von denen sich Johann Joachim Hartlieb am stärksten hervortat.

Die Befragung und Bewachung der Gefangenen, der Prozess, an dessen Ende meist die Hinrichtung stand: all dies kostete Geld, allerdings keine Steuergelder, vielmehr hatten die betroffenen Familien für die Kosten einzustehen. Nicht selten gestanden Frauen alles was man von ihnen wollte, nur um ihre Familien und Kinder vor dem finanziellen Ruin zu bewahren.

Hier noch ein Wort zur unrühmlichen Rolle der Präsenz, einer ehemals katholischen, 1536 in Büdingen erstmals erwähnten Stiftung. Nach der Reformation wurde die Präsenz von den Landesherren, den Grafen von Büdingen, in die eigene Verwaltung übernommen. Auf einer der Ausstellungstafeln ist zu lesen: „In die ‚Neue Präsenz‘ von 1601 flossen auch die von den Hexen vermachten oder von Angehörigen gestifteten Vermögen. Oft fiel nach und nach das gesamte Familienvermögen an die Präsenz.“

…und der Bevölkerung

Und noch ein Zitat: „Der Hexenwahn war in Büdingen so groß, dass die Bittschriften der Bürger an den Grafen nach Birstein nicht abrissen. Am 9. Juni 1654 schrieben Bürgermeister und Rat der Stadt in sehr vorwurfsvollem Ton an den Grafen, er würde nicht genug gegen die Hexen unternehmen.“ Im Mai 1633 bekam Graf Philipp Ernst eine Bittschrift, dass nicht nur im Gericht Eckartshausen sondern auch in Büdingen „die berüchtigten Weiber den Tod erleiden“ sollten. Interessant: die Unterzeichner waren durchweg Männer und aus den Namen ist zu ersehen, dass „dann später ihre eigenen Ehefrauen dem Feuer oder Schwert überantwortet wurden.“

1718 - Die letzte Hinrichtung einer Hexe in Hessen

Die Gerichtsakten hatte man vernichtet, nicht aber die Abrechnung des Henkers, der vor der Nachwelt von der Vollstreckung des Todesurteils Zeugnis ablegt. Anna Regina Scheidt, Katharia Schöffer und Katharina Ratz, als „Ratzkathrein“ im Gedächtnis der Region erhalten geblieben, wurden öffentlich auf dem Galgenberg zwischen Gambach und Griedel bei lebendigem Leib verbrannt. Es waren die letzten Todesurteile gegen „Hexen“, die in Hessen ausgesprochen wurden.

Die Ausstellung „Hexenwahn und Teufelsglaube“ ist bis Ende Mai im ersten Stock der Kreisverwaltung in Friedberg, Gebäude B, zu sehen. Montag bis Mittwoch von 8.30 bis 12.30 Uhr und 13.30 bis 16 Uhr, donnerstags bis 18 Uhr und freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr.

veröffentlicht am: 04.05.2018

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