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Holocaust-Zeitzeuge im Friedberger Kreishaus

Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch eröffnete die Veranstaltung zur Reichspogromnacht, links im Bild Zeitzeuge Andrei Dorubantu.

Zum Jahrestag der Reichspogromnacht am 09. November sprach Andrei Dorobantu, Überlebender des Holocaust, vor Schülerinnen und Schülern im Friedberger Kreishaus.

Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch eröffnete die Veranstaltung, zu der neben Schülerinnen und Schülern der Singbergschule Wölfersheim und der Gesamtschule Konradsdorf auch Auszubildende der Wetterauer Kreisverwaltung in den Plenarsaal kamen.

Becker-Bösch erinnerte an die historischen Umstände der Pogromnacht, in der die Nationalsozialisten die Maske der Bürgerlichkeit fallen ließen und den Mob mit mörderischer Offenheit aufforderten, Pogrome zu begehen.

Fünf Jahre habe es gedauert, in denen eine Regierung systematisch gegen Minderheiten hetzte, sie diskriminierte und Gehirnwäsche an einer ganzen Generation betrieb. Schändlich niedrig war die Zahl derer, die aktiven Widerstand geleistet haben.

Auch heute gebe es wieder Politiker, die offen mit rassistischen und diskriminierenden Parolen für sich Werbung machten. „Wer gegen Fremde agitiert, weil sie nicht unsere Religion, nicht unsere Hautfarbe haben, die Menschen geringer achten, weil sie nicht unsere Sprache sprechen, dem darf man nicht das Feld überlassen.“

Auf Initiative des Freundeskreises der Auschwitzer und ihres Vorsitzenden Uwe Hartwig konnte Andrei Dorobantu für eine Geschichtsstunde der ganz besonderen Art gewonnen werden.

Andrei Dorobantu, Jahrgang 1933, wurde in Oradea, einer Stadt im Norden Siebenbürgens, geboren. Die Judenverfolgung in begann spätestens im März 1944 als Ungarn von deutschen Truppen besetzt wurde, obwohl es genauso wie Rumänien Bündnispartner der Nazis war. Anfang April 1944 wurde der Davidstern für Juden Pflicht. Es begannen Enteignungen und Drangsalierungen. Juden durften nur noch zwischen 9 und 10 Uhr ihre Wohnung verlassen.

Das war das Signal für die Eltern von Andrei Dorobantu, den elfjährigen Sohn zur Tante der katholischen Mutter zu bringen. Die lebte am Rande der Stadt mit wenigen Nachbarn. Der Ehemann tauchte an anderer Stelle unter. Andreis‘ Mutter blieb als Katholikin weitgehend unbehelligt.

Kurz darauf begann im Rahmen der „Ungarnaktion“ die Deportation der Juden aus der Stadt, die seit 1940 Ungarn zugeschlagen war.

Nur eines von 5.000 jüdischen Kindern überlebte den Holocaust

Von den 29.000 Juden in Oradea wurden 19.000 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Tausende waren zuvor schon von der Armee zwangsrekrutiert, einige konnten rechtzeitig nach Rumänien fliehen. Von den 19.000 Deportierten kamen nur wenige zurück. 5.000 Kinder waren darunter, nur eines überlebte den Massenmord der Nazis. Auch die Großeltern von Andrei Dorobantu wurden in Auschwitz ermordet.

Andrei Dorobantu hat sich dennoch seine positive Grundhaltung bewahrt. „Ich bin optimistisch und glaube an das Gute im Menschen. Ich fordere Achtung und Respekt, gerade Ihnen“, sagte er an die jungen Zuhörer gewandt, „kommt eine wichtige Rolle zu beim Aufbau einer friedlichen Welt.“

Nach dem Vortrag von Andrei Dorobantu folgte eine intensive Fragestunde, bei der es darum ging, warum Rechtsextreme und Populisten so viel Einfluss gewonnen haben. Die Diskussion über den Holocaust hält Andrei Dorobantu für außerordentlich wichtig. „Es ist notwendig, darüber zu sprechen, weil die Menschen wissen sollen, was geschehen ist, damit sich so etwas nicht wiederholt.“

veröffentlicht am: 09.11.2017

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