Kreisverwaltung Wetterau

claim

„Ich habe die Entscheidung nie bereut“

Tristan zur Löwen, der von sich sagt, dass er nichts bereut. Foto: Adrian Nestoriuc

Tristan zur Löwen ist Verwaltungsfachwirt und Sachbearbeiter bei der Wirtschaftlichen Jugendhilfe. Rund 1,5 Millionen Euro geben er und seine acht Kolleginnen und Kollegen jeden Monat für Kinder, Jugendliche, Pflegeeltern und verschiedene Einrichtungen aus.

„Mach dich auf die Stadt.“ Ein familiärer Rat, der bei der Berufswahl Pate stand: Tristan zur Löwen, in Trais, dem kleinsten Ortsteil von Münzenberg zu Hause, folgte diesem Rat und absolvierte seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bei der Stadt Münzenberg. Weil diese aber nicht alle Bereiche abdeckt, durchlief der junge Azubi die Untere Naturschutzbehörde, die Wasserbehörde, die Jugendgerichtshilfe und die Wirtschaftliche Jugendhilfe bei der Kreisverwaltung. Und blieb ihr im Anschluss an die Ausbildung nicht nur treu, sondern ließ sich noch weiter zum Verwaltungsfachwirt ausbilden.

Seit 2014 ist Tristan zur Löwen bei der Kreisverwaltung, zunächst im Fachdienst Finanzen und seit 2017 bei der Wirtschaftlichen Jugendhilfe. „Ich war während meiner Ausbildung ja schon dort gewesen und weil die Stelle intern ausgeschrieben war, sprachen mich Kollegen an, ob ich mich nicht bewerben wolle.“ Und Tristan zur Löwen wollte. Hat er den Schritt bereut? „Bereut? Nein, ich bereue nichts“, sagt er und lacht.

Sein Abitur machte er am Weidig-Gymnasium in Butzbach, anschließend leistete er als einer der letzten von der Wehrpflicht betroffenen Jahrgänge neun Monate Wehrdienst in Amberg und Weiden; drei Monate Grundwehrdienst und sechs Monate in der Verwaltung der Generalskaserne. „Eine Zeit, die ich nicht missen möchte. Sie hat mir Spaß gemacht, man lernt Disziplin und lernt fürs Leben. Das muss man mal gemacht haben.“ Danach ein Jahr lang im Callcenter bei einem Internet-Versandhandel, weil er nichts anderes gefunden hatte. „Auch diese Zeit möchte ich nicht missen, es war eine schöne Zeit.“

Die Familie im Brennpunkt

Die wirtschaftliche Jugendhilfe des Wetteraukreises ist zuständig für Kinder und Jugendliche bis zum 23. Lebensjahr, danach tritt der Landeswohlfahrtsverband in die Pflicht. Es geht vor allem um Kosten, Kosten, die entstehen, wenn ein junger Mensch in einer Pflegefamilie lebt, in einer stationären oder teilstationären Einrichtung. Im Gegensatz zu den Sozialpädagogen und Sozialarbeitern kennt Tristan zur Löwen die Einzelnen meist nur über die Akte, die auf seinem Tisch landet und über Kostenentscheidungen die er zu treffen hat. Die Spannbreite variiert je nach Art der Unterbringung, von Pflegefamilie über teilstationär zu stationär von 5.000 bis 10.000 Euro, die der Wetteraukreis für ein Kind oder einen Jugendlichen monatlich ausgibt.

„Mit mir zusammen sind wir neun Kolleginnen und Kollegen, und jeder von uns betreut etwa 140 Fälle, das heißt 140 Kinder und Jugendliche“, sagt Tristan zur Löwen. „Etwa die Hälfte von ihnen ist stationär untergebracht, in einem Heim oder einer Einrichtung für Betreutes Wohnen.“ Rund 1,5 Millionen Euro überweisen zur Löwen und seine Kollegen jeden Monat. „Die Pflegeeltern und Einrichtungen beantragen die Übernahme der Kosten für die Unterbringung und für Extras, die Sozialarbeiter geben ihre Stellungnahme ab und wir entscheiden dann. Wir haben einen Rahmenplan, aber es ist auch viel Ermessen dabei. Wenn zum Beispiel Reittherapie beantragt wird oder der Mitgliedsausweis fürs Fitnessstudio, dann prüfen wir: Ist das wirklich wichtig? Fördert es die Eigenständigkeit? Braucht das Kind das? Wenn ich mir unsicher bin, frage ich auch Kollegen.“

Und so sieht sein Alltag aus: Prüfen, ob der Wetteraukreis überhaupt zuständig ist, wirtschaftliche Verhältnisse überprüfen, Rechnungen und einmalige Beihilfen prüfen, Pflegegeld an Pflegefamilien ausrechnen und auszahlen, Hilfe zum Lebensunterhalt berechnen und sicherstellen, Beratung, Kontakt mit Rechtsanwälten, Widersprüche bearbeiten. „Wir sprechen auch die leiblichen Eltern an, sich an den Kosten zu beteiligen. Manche Eltern sagen uns: ‚Wir sind froh, dass ihr da seid und uns unterstützt, da leisten wir gerne unseren Beitrag‘.“ Geprüft wird außerdem, ob es Drittmittel gibt, die herangezogen werden können, zum Beispiel Waisenrente, Kindergeld, Ausbildungsförderung, Ausbildungsgeld, Opferentschädigung.

Fähigkeiten und Besonderheiten

„Es braucht Freude am Umgang und dem Kontakt mit Menschen, wenn man diesen Beruf ausüben will“, sagt Tristan zur Löwen. Und was noch? „Gutes Deutsch in Sprache und Schrift, Freude am Telefonieren und gute Artikulation, Empathie, Sympathie für die Menschen. Ich gehe sehr gerne mit Menschen um.“ Als das besondere an seiner Arbeit empfindet er die Vielfältigkeit der Aufgaben: „Ich habe mit anderen Landkreisen zu tun, mit den leiblichen Eltern und den Pflegeeltern, verschiedenen Einrichtungen, bin im ständigen Austausch mit Sozialarbeitern. Es ist spannend und alles andere als langweilig.“

Feuerwehr, Fußball, Tiere und Natur

Als Kind war es sein Traum, Profifußballer zu werden, heute spielt Tristan zur Löwen in seiner Freizeit Fußball beim Traiser FC, im Mittelfeld. Seine Vereinsliebe gilt dem FC Bayern-München, aber er ist kein Fan, der dem Verein von Stadion zu Stadion hinterherfährt. „Da gehe ich lieber hier zu den Fußballspielen, kenne die Leute und zahle für ein Bier keine sechs Euro, sondern nur 2,50. Nach dem Spiel mit den Leuten reden, das macht Spaß.“ Ansonsten hält der Tierfreund Hasen, Enten, Gänse, Wachteln und Sittiche, ist bei der Freiwilligen Feuerwehr Trais-Münzenberg engagiert und im Arbeitskreis Traiser Steinberg, einem Naturschutzprojekt.

veröffentlicht am: 10.08.2018

Wetteraukreis

Der Kreisausschuss

Sonderfachdienst Kommunikation Europaplatz Gebäude B
61169 Friedberg

Ansprechpartner/in Michael Elsaß Telefon 06031 83-1400 Fax 06031 83-911400 E-Mail Michael Elsaß