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Kunst in Kirchen - Für Christine Wigge ist Eden ein Sehnsuchtsort

Unser Bild zeigt eine Aufnahme aus dem Kirchenraum.

Die kleine St. Laurentiuskirche in Ortenberg-Usenborn hat sich die Friedberger Künstlerin Christine Wigge für ihren Beitrag zu Kunst in Kirchen in der Wetterau ausgesucht.

Bei ihrer Installation lässt sie leere Formen wie Gedankenräume in der Kirche schweben. Besucherinnen und Besucher sowie Gemeindemitglieder sind eingeladen, sich unter diese Formen zu setzen und dem Thema nachzusinnen: Was ist Eden für mich? Was ist mein Sehnsuchtsort? Eigene Antworten zu finden, die Form mit Gedanken, Assoziationen zu füllen.

Über den Bankreihen der anderen Seite finden sich Kreise mit ausgelaserten Namen. Hier stellt die Leere keine zu füllende Form dar, sondern einen Verlust. Leerstellen - Namen von ausgestorbenen oder vom Aussterben bedrohten Insektenarten. Die Frage schließt sich an: Geht uns Eden vielleicht erneut abhanden?

Christine Wigge zeigt mit ihrer Arbeit im Kirchenraum, dass unsere Welt im Laufe der letzten Jahrzehnte fragiler geworden ist und nicht länger als etwas Ewiges und Unveränderliches wahrgenommen werden kann.

Wir haben mit Christine Wigge über ihre Arbeit in Kunst in Kirchen in der Wetterau gesprochen:

Frage:

Kunst in Kirchen ist ein in Deutschland einzigartiges und ungewöhnliches Projekt. Worin besteht für Sie der Reiz teilzunehmen?

Antwort:

Durch die Besichtigung der verschiedenen Kirchen bekommt man die Möglichkeit, den heimischen Raum noch einmal neu kennenzulernen. Es ist beeindruckend, mit welcher Offenheit die Gemeinden den Kunstprojekten begegnen und wie selbstverständlich in diesem Projekt Ökumene praktiziert wird. Es ist auch toll mit Kolleginnen und Kollegen aus ganz Deutschland zusammenzukommen und sich auszutauschen. Das ist alles sehr bereichernd.  

Ich möchte mich beim Wetteraukreis, den ev. und kath. Dekanaten und dem Kurator für die tolle Vorbereitung und Begleitung bedanken.

Frage:

Was reizt Sie als Künstlerin, in einer Kirche auszustellen?

Antwort:

Es ist immer sehr interessant, sich auf unterschiedliche Raumsituationen zu beziehen und ein Kirchenraum stellt inhaltlich ja auch gleich per se neue Bezüge her.

Frage:

Mit Ihrem Beitrag beziehen Sie ja Position zum Thema Eden. Sehen Sie da ganz allgemein eine gesellschaftliche Relevanz?

Antwort:

Unsere Welt ist viel fragiler als wir noch vor wenigen Jahrzehnten dachten und wir können sie nicht mehr als etwas Ewiges und Unveränderliches betrachten.

Insofern stellt sich die Frage: Geht uns Eden vielleicht erneut abhanden?

Frage:

Eine Kirche ist der Ort, in dem man das Gespräch mit Gott sucht. Traditionelle Kirchenbilder erleichtern dieses Gespräch. Zeitgenössische Kunst kann da wie ein Fremdkörper wirken. Ist das so gewollt?

Antwort:

Etwas Ungewohntes kann ein Anreiz sein, sich zu reiben, gewohnte Sichtweisen in Frage zu stellen. Eine Kirche stellt aber auch einen Ort der Ruhe und Kontemplation dar – insofern bietet sie auch den Raum still dazusitzen und den Fragen nachzusinnen, die ich als Angebot stelle: Was ist Eden für mich? Was ist mein Sehnsuchtsort?

Frage:

Darf Kunst hier provozieren und anecken? Was darf Kunst überhaupt, was ist ihre Aufgabe?

Antwort:

Kunst darf im Prinzip alles, solange sie sich im Rahmen der Gesetze bewegt. Was mich interessiert ist: Wie ist der Mensch in der Welt, wie verbindet er sich? Ich möchte Leerstellen und offene Räume anbieten, zu denen sich die BetrachterIn in Beziehung setzen kann. Das Kunstwerk wird erst durch das Mit-Tun komplett. Insofern sehe ich die Aufgabe für mich darin, andere Menschen zu berühren, sie zu aktivieren auch Fragen zu stellen oder auch einfach nur genauer hinzuschauen.

Frage:

Welche Reaktionen erwarten Sie von den Besucherinnen und Besuchern?

Antwort:

Erwarten kann man nichts - man kann sich freuen, wenn das Angebot der Wahrnehmung und des Nachdenkens angenommen und vielleicht ein Stück mitgenommen und weitergetragen wird. Bereits bei der Vorbesprechung des Projektes im vergangenen Jahr hatte der örtliche Kirchenvorstand die Idee, die Stationen des Psalmenweges rund um Usenborn insektenfreundlich zu bepflanzen. „Damit das Innen der Kirche nach Außen getragen wird.“ Das fand ich klasse!

Konzert mit Brass-ON

Am Sonntag, dem 8. September, findet um 19 Uhr ein Konzert der Blechbläserband „Brass-ON“ in der St. Laurentiuskirche zu Usenborn statt.

Brass-ON ist ein Auswahlensemble des Posaunenwerks der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau. Die Mitglieder des Ensembles sind Musiker aus den Posaunenchören der Bezirke Oberhessen und Nord-Nassau.

Sie geben Konzerte überwiegend in Kirchen und spielen dabei nicht nur geistliche Musik, sondern auch Swing, Barock, Klassik, Romantik und auch zeitgenössische Musik. Ganz aktuell ist die CD „A Night at the Cinema“.

Der Eintritt zur Veranstaltung ist kostenlos.

veröffentlicht am: 06.09.2019

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