Kreisverwaltung Wetterau

claim

Ökolandbau im Wetteraukreis ist Erfolgsprojekt

Die Referenten des Öko-Umsteller Forums. Von links: Matthias Walther, Kreisbeigeordneter und Landwirtschaftsdezernent, Claudia Zohner, Koordinatorin der Modellregion Ökolandbau Wetterau, Tim Treis, Verbandssprecher der Vereinigung Ökologischer Landbau in Hessen e. V., Tatjana Bär, Fachdienst Landwirtschaft, Dr. Anne Schmidt, AgrarBeratungs- und Controll GmbH und Heinz Gengenbach vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen.

„Die im März 2016 gestartete Umstellungsoffensive auf Ökolandbau im Wetteraukreis ist bis heute ein Erfolgsprojekt“, resümierte Kreisbeigeordneter Matthias Walther bei einer Veranstaltung für Landwirte, die an Ökolandbau interessiert sind.

Ziel der Offensive ist es den Anteil von ökologisch bewirtschafteter Fläche sowie die Anzahl der Bio-Betriebe zu erhöhen. Durch das Projekt werden konventionelle Landwirte oder bereits umstellende konventionelle Betriebe mit einem breiten Angebot angesprochen und mit anderen Akteuren vernetzt.

„In der ‚Modellregion Ökolandbau Wetterau‘ hat in den vergangen drei Jahren die Zahl der Ökobetriebe deutlich zugenommen“, sagte Landwirtschaftsdezernent Matthias Walther bei der Begrüßung zum Umstellungsforum vor rund 50 Landwirten, Fachberatern und Interessierten.

Wetterau - eine absolut herausragende Gunstregion

Die zentrale Wetterau ist wegen der hohen Bodenfruchtbarkeit und des günstigen Klimas eine absolut herausragende Gunstregion Hessens.

Derzeit werden etwa 9 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche im Kreis ökologisch bewirtschaftet. Um dies weiter voranzutreiben, setzen die Projektverantwortlichen auch im Jahr 2019 auf das bewährte Konzept von Infoveranstaltung und Exkursion an den Öko-Umsteller-Tagen. So wurden während des Umstellungsforums die Grundlagen des Ökologischen Landbaus, die Beratungs- und Förderangebote sowie der Ablauf einer Bio-Zertifizierung von verschieden Referenten erörtert. Einige Tage später wurden dann zwei regionale Öko-Betriebe mit den Teilnehmern des Forums besucht.

Günstige Rahmenbedingungen für Umsteller

Welche staatlichen Beratungsangebote es für umstellungsinteressierte Landwirte gibt, das berichtete Heinz Gengenbach vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH). Ökolandbau wird gesellschaftlich wertgeschätzt und finanziell gefördert. Die Preise sind höher als für konventionell erzeugte Produkte. Gengenbach warnte aber vor zu viel Euphorie, denn die Umstellung erfordere einen langen Atem, viel Arbeit, höhere Investitionen und führe zu geringeren Ernteerträgen.

Wer auf leicht lösliche Mineraldünger sowie auf chemisch-synthetischen Pflanzenschutz verzichten will, für den ist der Ökolandbau eine Alternative. Um erfolgreich zu sein, müsse man die Familie einbinden und die notwendigen Ressourcen ermitteln. Besonders  in der Umstellungsphase – einem Zeitraum von normalerweise zwei Jahren – muss auf die Liquidität des Betriebes geachtet werden, da die Umstellungsware zwar nach den Öko-Richtlinien erzeugt wird, aber noch nicht als Bio-Ware gehandelt werden darf.

Fördermittel für den Ökolandbau

Die Zuschüsse werden über den Fachdienst Landwirtschaft der Kreisverwaltung in der Wetterau ausgezahlt. Maßgebend dafür ist das Hessische Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflege-Maßnahmen (HALM).

„Gefördert wird der ökologische Landbau immer für eine Laufzeit von mindestens fünf Jahren. Die Förderung hängt von der Nutzung der Flächen ab. Sie beträgt etwa für Ackerland 260 Euro pro Hektar, für Dauergrünland 190 Euro pro Hektar, für Gemüseanbau 420 Euro pro Hektar. Die Zuschüsse sind an die Einhaltung der Vorgaben in der Flächenbewirtschaftung sowie in der Tierhaltung gebunden“, gab Tatjana Bär von der Fachstelle Agrarförderung Auskunft.

Bio-Zertifizierung

Wer sich dazu entscheidet seinen Betrieb ökologisch zu bewirtschaften, verpflichtet sich gleichzeitig zur Prüfung der Einhaltung der Öko-Richtlinien durch eine Kontrollstelle. Referentin Dr. Anne Schmidt, von der AgrarBeratungs- und Controll GmbH, einem privaten und neutralen Kontrollinstitut, berichtet daher über die Anforderungen und den Ablauf einer Bio-Zertifizierung. Am Ende des Vortrags war klar: Wer ein gutes Ablagesystem für seine Belege führt, muss keine Bedenken vor der Öko-Zertifizierung haben.

Verbände des ökologischen Landbaus

Umstellungsbetriebe schließen sich häufig einem Verband des ökologischen Landbaus an. Das sind in Hessen Bioland, Naturland, Demeter, Biokreis und Gäa e.V. Ökologischer Landbau. Um die eigene Qualität zu sichern, haben die Öko-Verbände weitere Kriterien für die Erzeugung und Verarbeitung von Verbandsware eingeführt. Mehr als 50 Prozent der ökologisch arbeitenden Betriebe in Hessen gehören einem Verband an und das mit gutem Grund, denn die Verbände erleichtern den Marktzugang und begleiten mit Beratung. Nach den Vorträgen standen die Referenten noch für Fragen zur Verfügung.

Exkursion zu regionalen Ökobetrieben

Am Samstag, den 6. April folgten geführte Exkursionen für interessierte Landwirte zu den Ökobetrieben Matthias Weitzel Naturland-Betrieb in Niddatal-Kaichen und den Bioland-Biohof Jens Dieffenbach in Wölfersheim. Beide Betriebe waren bereits bei der ersten Umstellungsveranstaltung der Modellregion Ökolandbau Wetterau im Jahr 2016 Teilnehmer und haben in den Folgejahren eine Betriebsumstellung durchlaufen. Die Betriebsleiter stellten ihre Betriebe und ihre Wirtschaftsweise vor. Sie führten durch ihre Betriebsstätten inklusive Fuhrpark und berichteten detailliert von ihren Umstellungserfahrungen im Ackerbau.

„Landwirte, die das Thema betriebliche Weiterentwicklung langfristig angehen und dabei den Ökolandbau als Option betrachten, haben durch Veranstaltungen wie die Öko-Umsteller Tage 2019 jede Menge Informationsmöglichkeiten. So können die Chancen und Risiken einer Umstellung abgewogen werden. Besonders hilfreich sind die persönlichen Kontakte zu regionalen Biobetrieben, von deren Erfahrungen umstellungsinteressierte Landwirte gut profitieren können“, so Matthias Walther.

Modellregion Ökolandbau Wetterau

Das Projekt Modellregion Ökolandbau Wetterau begann im Oktober 2015 nach erfolgreich eingereichter Bewerbung im  Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Als eine der ersten drei hessischen Ökomodellregionen begann der Wetteraukreis mit der Umsetzung der Ziele in der Region. Kernziel der Ökomodellregionen ist es mehr regionale Bio-Produkte zu erzeugen und in der Region zu etablieren. Hierzu wird auch die Vernetzung zwischen den verschiedenen Akteuren unterstützt.

Aufgrund des großen Projekterfolgs wurde die Förderung der Modellregion Ökolandbau Wetterau bis Ende 2020 verlängert. Darüber hinaus legte das Ministerium im Sommer 2018 mit der Ausrufung von fünf weiteren Ökomodellregionen in Hessen nach.

veröffentlicht am: 12.04.2019

Wetteraukreis

Der Kreisausschuss

Sonderfachdienst Kommunikation Europaplatz Gebäude B
61169 Friedberg

Ansprechpartner/in Michael Elsaß Telefon 06031 83-1400 Fax 06031 83-911400 E-Mail Michael Elsaß