Kreisverwaltung Wetterau

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Sensibel bleiben für menschliches Schicksal

Drei Männer stehen vor einem Bild. Es bildet den Wetteraukreis ab. Zu den verschied nen Kommunen sind die jeweiligen Sehenswürdigkeiten gemalt.

Von links: Landrat Jan Weckler, Edm,und Reinelt, stellvertretender Vorsitzender des BdV-Kreisverbandes Wetterau, und BdV-Kreisvorsitzender Reinhard Schwarz.

Landrat Jan Weckler traf gestern mit zwei Vertretern des Bundes der Vertriebenen zusammen: Reinhard Schwarz, dem Kreisvorsitzenden, und seinem Stellvertreter Edmund Reinelt. Bei diesem alljährlichen Termin wird nicht nur die Unterstützung für den Kreisverband thematisiert, er ist auch eine Gelegenheit zum persönlichen Gespräch und Meinungsaustausch.

Seit Jahrtausenden tun Menschen einander Gewalt an. Die Folgen sind, neben anderen oft genug auch Flucht, Vertreibung und erzwungene Auswanderung. Kaiser Karl der Große vertrieb die Sachsen aus Ostholstein, Ende des 15. Jahrhunderts wurden die sephardischen Juden aus Spanien vertrieben, Ende des 18. Jahrhunderts mussten die gälisch sprechenden Einwohner ihre Heimat im schottischen Hochland verlassen.

Eine Kette von Beispielen, die bis in unsere Zeit reicht und mit der Flucht der Rohingya aus Myanmar längst nicht beendet ist. „Das Thema Vertreibung ist heute besonders aktuell. Dass Vertreibungen in anderen Teilen der Welt stattfinden, darf uns nicht dazu verleiten, es aus den Augen zu verlieren. Es gilt, die Geschichte der Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg zu bewahren und sensibel für menschliche Schicksale zu bleiben“, betonte Jan Weckler im Gespräch mit den beiden Vertretern des Bundes der Vertriebenen.

Nach dem durch Deutschland verursachten Krieg und den Gräueln des Nationalsozialismus wurden in der Folge Deutsche aus Ostpreußen, Pommern, Schlesien und anderen osteuropäischen Siedlungsgebieten vertrieben. Rund 14 Millionen verloren ihre Heimat. Zu diesen gehörte auch Reinhard Schwarz, der als Fünfjähriger zusammen mit seiner Mutter und zwei jüngeren Geschwistern aus seinem Heimatort Neu Titschein, tschechisch Nový Ji ín, in Nord-Mähren vertrieben wurde. Der Großvater war hatte zwei Jagdreviere, die Eltern hatten zwei Geschäfte, eines in Olmütz, das andere in Mährisch-Ostrau. „Ich bin mit ‚goldenen Löffeln‘ aufgewachsen“, erinnert er sich an die frühen Kinderjahre. Nach der Vertreibung lebte die kleine Familie in Hörnsheim, einem Ortsteil von Hüttenberg im Lahn-Dill-Kreis. „Wir haben von der Fürsorge gelebt“, erzählt Schwarz.

Früh engagierte er sich beim Bund der Vertriebenen, zunächst in der Jugendorganisation, später im Kreisvorstand, den er seit mehr als zwei Jahrzehnten führt. Nach der Wende war er als Kreisvorsitzender des Bundes der Vertriebenen mit einer Delegation aus dem Wetteraukreis zu Gast im Kreis Bruntal, im Alvatergebirge. „Ich war eingeladen, im dortigen Kreistag eine Rede zu halten“, erzählte er Landrat Jan Weckler im Gespräch. Zu seiner Überraschung war er gesuchter Gesprächspartner für die Menschen vor Ort, die mit ihm als Vertreter der zweiten Generation Erfahrungen austauschten.

veröffentlicht am: 14.10.2020

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