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Von der friedlichen Revolution zur deutschen Einheit

Landrat Jan Weckler bei der Eröffnung der Ausstellung „Von der friedlichen Revolution bis zur Deutschen Einheit“.

Am 9. November 2019 jährt sich zum 30. Mal der Fall der Berliner Mauer. Landrat Jan Weckler hat am heutigen Dienstag die Ausstellung „Von der friedlichen Revolution zur deutschen Einheit“ eröffnet.

Vor genau 30 Jahren, am Montag dem 4. September entrollten zwei junge Frauen vor der Leipziger Nikolaikirche Banner mit der Aufschrift: "Für ein offenes Land mit freien Menschen". Hinter ihnen liefen weitere Protestler, auch sie hielten selbst gemalte Plakate in die Höhe.

Kaum waren die beiden jungen Frauen losgelaufen, stürzten sich zwei Stasi-Beamte auf sie und rissen hektisch das Bettlaken herunter. Eine der Frauen hielt an dem Laken fest, fiel zu Boden und wurde mitgeschleift. Die Bilder waren noch am gleichen Abend in der Tagesschau zu sehen. Es war nicht die letzte Demonstration in Leipzig. Fortan demonstrierten immer mehr Menschen in Leipzig, später auch andernorts und läuteten das Ende der DDR ein.

Aktuell sind zwei Kunstausstellungen im Friedberger Kreishaus zu sehen. Im Gebäude A haben sich Künstlerinnen und Künstler aus dem Wetterauer Partnerkreis Unstrut Hainich in Thüringen und dem Wetteraukreis mit dem Mauerfall beschäftigt. Im Gebäude B am Friedberger Europaplatz ist eine Ausstellung mit Arbeiten von Schülerinnen und Schülern aus beiden Kreisen zu sehen.

„Parallel zu diesen beiden Ausstellungen zeigen wir noch eine Ausstellung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, die die Zeit von der friedlichen Revolution bis zur Deutschen Einheit nachvollzieht“, sagte Landrat Jan Weckler zur Eröffnung der Ausstellung.

100 zeithistorische Fotos und Dokumente

Die Ausstellung wirft Schlaglichter auf die Jahre 1989 und 1990 und erinnert an den Protest gegen die Fälschung der DDR-Kommunalwahlen, die Fluchtbewegungen im Sommer und die Massenproteste im Herbst, die die SED-Diktatur letztendlich in die Knie zwangen und schließlich zur deutschen Einheit führten.

Die Ausstellung umfasst 20 großformatige Poster mit insgesamt mehr als einhundert zeithistorischen Fotos und Dokumenten. Wer ein Smartphone mit in die Ausstellung nimmt, kann anhand von QR-Codes einen Link öffnen, der zu Videointerviews mit Akteurinnen und Akteuren der friedlichen Revolution in der DDR führt.

Der DDR Nostalgie den Spiegel vorhalten

Landrat Jan Weckler empfiehlt die Ausstellung insbesondere für Schülerinnen und Schüler von Mittel- und Oberstufen. „Der Aufbau der Ausstellung ist sehr eingängig und führt auch jüngeren Menschen die Tragweite und das Ausmaß der Veränderung vor Augen, die mit der friedlichen Revolution und dem Fall der Mauer verbunden waren.“ Gerade der mitunter wieder auftretenden DDR-Nostalgie und der Sehnsucht nach gesicherten Verhältnissen wird hier ein Spiegel vorgehalten, nämlich die Realität in der späten DDR, die geprägt war durch Wahlfälschung, durch Unzufriedenheit, durch lange Schlangen vor den Geschäften, in denen immer weniger Waren zu kaufen waren. Das Leben in der DDR war überwacht, reglementiert und vom Parteistaat vorbestimmt. Zum Ausgleich nutzten viele DDR-Bürgerinnen und -Bürger allabendlich die kleine Flucht zum Westfernsehen. Während in der Sowjetunion Michael Gorbatschow von Umgestaltung (Perestroika) und Transparenz (Glasnost) sprach, wurden in der DDR kritische Sowjetfilme und Zeitschriften aus dem Verkehr gezogen.

Ein Riss in der Mauer entstand mit dem Abbau des Stacheldrahtverhaus an der Ungarisch-Österreichischen Grenze. Erst waren es hunderte, dann tausende DDR-Urlauber, die dort einen Weg in den Westen fanden. Zudem suchtn zahlreiche DDR-Bürger Zuflucht in den diplomatischen Vertretungen: in Prag, in Budapest, in Warschau und auch in Ostberlin.

Im September 1989 waren 6.000 Menschen in der Prager Botschaft und warteten auf ihre Ausreise bis zu jenem denkwürdigen Abend, als Außenminister Hans-Dietrich Genscher den Botschaftsflüchtlingen mitteilte: „Ich bin heute gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass Ihre Ausreise …“. Der Rest des Satzes ging unter dem Jubel der Flüchtlinge unter.

„Wir sind das Volk!“

Wie kritisch die Situation war und wie anders die Geschichte hätte verlaufen können, zeigen die Hintergründe der Montagsdemonstration am 9. Oktober in Leipzig. 70.000 Menschen rund um die Nikolaikirche riefen: „Wir sind das Volk!“. Im Hintergrund standen massive Polizeieinheiten bereit, um den Protest zu unterdrücken. Glücklicherweise erteilte niemand den Einsatzbefehl.

Der 9. November 1989 war schließlich der entscheidende Tag. Günter Schabowski erläuterte im Rahmen einer Pressekonferenz vor den Westmedien die neuen Reiseregelungen, die „Westreisen auch ohne Vorliegen von Voraussetzungen erlauben, und zwar ab sofort.“ Noch am Abend und in der Nacht zogen Männer und Frauen noch ganz ungläubig los, zu den Grenzübergängen. 20.000 Menschen forderten: „Tor auf! Tor auf!“. Eine halbe Stunde vor Mitternacht kapitulierten die Grenzwächter und öffneten den eisernen Vorhang, der Berlin mehr als 28 Jahre getrennt hatte.

Die weitere Geschichte ist bekannt. Es ging viel schneller, als man gedacht hatte. 2+4 hieß die berühmte Formel. Die beiden deutschen Staaten verhandelten mit den vier Siegermächten des Zweiten Weltkrieges über die Wiedervereinigung. Trotz Bedenken aus Frankreich und Großbritannien wurden innerhalb kürzester Zeit alle Hindernisse aus dem Weg geräumt, und am 3. Oktober 1990 wurde Deutschland nach mehr als vier Jahrzehnten Trennung wieder vereinigt.

Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten des Friedberger Kreishauses montags bis mittwochs 7:30 bis 16 Uhr, donnerstags bis 18 Uhr und freitags bis 12:30 Uhr im Gebäude B, erstes Obergeschoss, zu sehen.

veröffentlicht am: 03.09.2019

15. und 16. Oktober: Fortbildung in der Ausländerbehörde

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