Kreisverwaltung Wetterau

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Weckler lädt zum Öko-Umsteller Forum ein

Die Referenten des Öko-Umsteller-Forums von links: Hermann Götz, Leiter des Fachdienstes Landwirtschaft der Kreisverwaltung, Hans-Jürgen Müller, vom Verband des ökologischen Landbaus, Beate Zwick, AgrarBeratungs- und Controll GmbH, Erster Kreisbeigeordneter und Landwirtschaftsdezernent Jan Weckler, Sandra Höbel und Heinz Gengenbach, vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen.

Der Wetteraukreis ist seit 2015 eine von drei Öffnet externen Link in neuem FensterÖkomodellregionen in Hessen. Das zunächst auf zwei Jahre befristete Projekt wurde verlängert. „Ich bin froh, dass wir jetzt bis 2020 Zeit haben, um für das Thema sensibilisieren und umstellungsinteressierte Landwirtinnen und Landwirte beraten zu können“, sagte Weckler bei der Begrüßung der rund 50 anwesenden Landwirte, Fachberater und Interessierten, die der Einladung in das Haus der Umwelt nach Friedberg gefolgt waren.

Von rund 1.000 Betrieben in der Wetterau gibt es derzeit 49 ökologisch wirtschaftende Betriebe. Das sind neun mehr als vor zwei Jahren, aber mit einem Anteil von fünf Prozent immer noch deutlich weniger als im Landesdurchschnitt.

Die 49 Betriebe bewirtschaften insgesamt 3.650 Hektar Fläche. Das sind sieben Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen in der Wetterau, in ganz Hessen sind es fast doppelt so viel. Landschaftsdezernent Weckler sieht die Zahl noch als ausbaufähig. „Gerade vor dem Hintergrund der großen Nachfrage aus dem Rhein-Main-Gebiet sehe ich hier noch großes Potenzial“, so Weckler.

Bio-Einkaufsführer erarbeitet

Möglicherweise wird das Interesse noch steigen. Der Fachdienst Landwirtschaft der Kreisverwaltung hat einen Bio-Einkaufsführer erarbeitet, der interessierte Kundinnen und Kunden und ökologisch arbeitende Erzeuger zusammenbringen soll.

Die Ziele der Modellregion Ökolandbau WETTERAU skizzierte der Leiter des Fachdienstes Landwirtschaft, Hermann Götz. Vor allem wolle man ein gesteigertes Bewusstsein für den Wert regionaler und ökologischer Erzeugung schaffen. „Die Landwirtschaft braucht angemessene Preise und verbesserte Absatzmöglichkeiten. Dazu wollen wir den Rhein-Main-Ballungsraum als Absatzmarkt für das ökologische Angebot erschließen“, so Götz. Ökologisch orientierte Bildungs-, Naherholungs- und Genussangebote entwickeln, regionale Wirtschaftskreisläufe im ökologischen Bereich stärken und die vielfältigen, ortsnahen Strukturen in der Landwirtschaft, im Lebensmittelhandwerk und im Handel erhalten und ausbauen. Ziele, so Götz, die auch im Bereich Regionalentwicklung verfolgt würden. Erreicht habe man schon einiges, etwa mit der „BioWoche in der Wetterau“ mit mehr als 20 Veranstaltungen zum Thema.

Günstige Rahmenbedingungen für Umsteller

Welche Beratungsangebote es für umstellungsbereite Landwirte gibt, das berichtete Heinz Gengenbach, vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH). Die Rahmenbedingungen für Umsteller seien im Moment äußerst günstig. Die Preise sind durchweg höher als für konventionell erzeugte Produkte. Gengenbach warnte aber vor zu viel Euphorie, denn die Umstellung erfordere einen langen Atem, viel Arbeit und höhere Investitionen.

Wer aber auf Antibiotika und Glyphosat, auf Kunstdünger, Insektizide und Herbizide verzichten will, könne diesen Schritt gehen. Um erfolgreich zu sein, müsse man aber die Familie einbinden und die notwendigen Ressourcen ermitteln, weil man in der Umstellungsphase über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren besonders auf die Liquidität des Betriebes achten müsse.

Wer sich dann allerdings entschieden hat, umzustellen, unterwirft sich einem Kontrollsystem, einer Art TÜV, wie Referentin Beate Zwick, von der AgrarBeratungs- und Controll GmbH, einem privaten und neutralen Kontrollinstitut, berichtet. Wer dabei die Vorgaben des Ökolandbaus nicht einhält, muss mit Sanktionen rechnen.

Fördermittel für den Ökolandbau

Die Zuschüsse wiederum werden über den Fachdienst Landwirtschaft der Kreisverwaltung in der Wetterau ausgezahlt. Maßgebend dafür ist das Hessische Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflege-Maßnahmen (HALM).

Gefördert wird der ökologische Landbau immer für eine Laufzeit von mindestens fünf Jahren. Die Förderung hängt von der Nutzung der Flächen ab. Sie beträgt etwa für Ackerland 260 Euro pro Hektar, für Dauergrünland 190 Euro pro Hektar, für Gemüse 420 Euro pro Hektar. Die Zuschüsse sind an die Einhaltung der Vorgaben in der Flächenbewirtschaftung, sowie in der Tierhaltung, gebunden.

Verbände des ökologischen Landbaus

Wer sich für den ökologischen Landbau entschieden hat, schließt sich häufig einem der Verbände des ökologischen Landbaus an. Das sind in Hessen Bioland, Naturland, Demeter, Biokreis und Gäa e.V. Ökologischer Landbau. Mehr als 50 Prozent der ökologisch arbeitenden Betriebe in Hessen gehören einem der Verbände an und das mit gutem Grund, denn die Verbände erleichtern den Marktzugang.

Um die Qualität zu sichern, haben die Bio-Verbände eigene Richtlinien für die Erzeugung und Verarbeitung deren Standard auch der Handel schätzt. Denn viele Molkereien, Mühlenbetriebe und Lebensmittelketten machen die Mitgliedschaft in einem der Anbauverbände zur Voraussetzung für die Lieferung von landwirtschaftlichen Produkten.

Nach den Vorträgen standen die Referenten noch für Fragen der interessierten Landwirte zur Verfügung.

veröffentlicht am: 08.03.2018

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