Kreisverwaltung Wetterau

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Wertschätzung und Dialog statt erhobener Zeigefinger

Erster Kreisbeigeordneter Jan Weckler und die Vertreterinnen der Bildungsstätte Anne Frank: Saba Nur Cheema, Nabeela Khan und Nicole Broder.

Umgang mit Radikalisierung und radikalisierten Jugendlichen im pädagogischen Alltag: Zu diesem Thema hatte die Fachstelle Jugendarbeit eingeladen. Ziel der Veranstaltung war der fachliche Austausch und die Vernetzung der Akteure in der Kinder- und Jugendarbeit. Eingeladen waren Vertreter aus Schule, Berufsschule, kommunaler Jugendarbeit, Jugendhilfe, freien Trägern und Betrieben. Hauptkooperationspartner war die Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt.

Im Fokus standen die politische Rechte und der islamisch motivierte Extremismus. Es ging darum, auszuloten, wie pädagogische Fachkräfte mit Jugendlichen umgehen können, die andere aufgrund ihrer Herkunft, ihres Glaubens, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung abwerten, bedrohen und offen in ihrem Umfeld agitieren.

Schuldezernent Jan Weckler eröffnete in Vertretung von Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch den Fachtag mit einer Reihe nachdenklicher Fragen: „Was geht im Kopf eines 17-jährigen vor, der in einem Zug bei Würzburg Touristen aus Asien mit dem Beil angreift? Was geht in jungen Leuten vor, die für den IS nach Syrien oder den Irak gehen wollen? Was geht in den Köpfen von Jugendlichen vor, die trotz Aufklärung über die eigene Geschichte in Deutschland ins rechtsradikale Spektrum abwandern? Was läuft schief, wenn Jugendliche empfänglich werden für Radikalisierungen unterschiedlicher Art, religiös oder politisch bedingt?“ Gleichzeitig gewännen immer mehr Populisten und Vereinfacher die Oberhand in Diskussionsforen und in der öffentlichen und veröffentlichten Meinung.“

Bei der Organisation der Veranstaltung arbeitete die Fachstelle Jugendarbeit mit verschiedenen Kooperationspartnern zusammen: Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, das Violence Prevention Network, Polizeipräsidium Mittelhessen, Fachstelle BUNTerLEBEN und die Antifaschistische Bildungsinitiative.

Was ist radikal und wo findet Radikalisierung statt?

Radikal ist, wer sich aufwertet, indem er andere abwertet, wer sich als den anderen überlegen wahrnimmt, im Besitz der Deutungshoheit wähnt und mit alleinigem Anspruch auf Wahrheit gesamten Gruppen feindlich gesonnen gegenüber tritt. Radikalisierung findet über soziale Medien statt, über den Kontakt zur einschlägigen Szene, im sozialen Kontext oder über Verteilaktionen wie zum Beispiel Schulhof-CDs oder die Aktion „Lies“.

Die Jugendlichen erreichen, bevor die Szene es tut

Nach verschiedenen Vorträgen und Workshops war das Fazit des Tages: Die Jugendlichen in der Wetterau sind nicht ernsthaft gefährdet, weder von rechter noch von salafistischer Seite. Vielen Jugendlichen, die sich von politisch oder religiös extremem Gedankengut begeistern lassen, fehlt oftmals die Anbindung, sie suchen Vorbilder. Damit wurde aber auch klar, dass die pädagogischen Fachkräfte keine grundlegend neuen Antworten finden müssen, sondern das wertvollste Pfund ihr bewährtes pädagogisches Handwerkszeug ist: Wertschätzung und Annahme, Gespräch und Dialog, nicht moralisieren oder mit dem Knigge in der Hand einer etwas sperrigen jugendlichen Meinung entgegen gehen und damit nur Abwehr erzeugen. Das Entscheidende ist die Beziehungsarbeit.

„Wir gingen mit Zuversicht und Gelassenheit aus dem Fachtag“, resümiert Thorsten Jakob, Mitarbeiter der Fachstelle Jugendarbeit. Nötig seien Vernetzung und Austausch auf fachlicher Ebene, damit die Jugendlichen nicht durchs Raster fallen. Auch in der pädagogischen Ausbildung müsse politische Bildung ein wichtiger Schwerpunkt werden. Auf der Wunschliste der Teilnehmer stand außerdem flächendeckende Schulsozialarbeit.

veröffentlicht am: 06.12.2016

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