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Verwaltung stellt sich vor

Jugendamt Fachdienstleiterin - Brücken bauen mit gesundem Menschenverstand

Hinter dem Schreibtisch von Jutta Messerschmidt: Fotos von geflüchteten jungen Menschen, aufgenommen in Erstaufnahmeeinrichtungen. Foto: Adrian Nestoriuc

160, 8, 7: Drei Zahlen repräsentieren den Fachdienst Jugendhilfe. 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, verteilt auf acht Fachstellen und sieben Liegenschaften, davon sechs in Friedberg und eine in Büdingen. Geleitet wird er von Jutta Messerschmidt. Auf die Frage, welche persönlichen Fähigkeiten sie für ihren Beruf braucht, sagt die studierte Diplom-Sozialarbeiterin: „Kommunikationskompetenz, Kreativität, Mut und Engagement.“

Der Fachdienst Jugendhilfe gehört zum Fachbereich Jugend und Soziales, dem zweitgrößten Fachbereich des Wetteraukreises. Kinderschutz, Allgemeiner Sozialer Dienst, Erziehungsberatung, Eingliederungshilfe, Unterhaltsvorschusskasse, unbegleitete minderjährige Ausländer, Amtsvormundschaft, Ferienfreizeiten, Fortbildung für pädagogische Fachkräfte: das Arbeitsfeld im Fachdienst ist groß. Sein rechtliches Fundament ist das Sozialgesetzbuch VIII, das die Kinder- und Jugendhilfe regelt.

Von Nordrhein-Westfalen nach Hessen

Jutta Messerschmidt kommt aus Bad Honnef – südlich von Bonn, zwischen Rhein und Siebengebirge – und fand über ihr ehrenamtliches Engagement im Sport und ein freiwilliges soziales Jahr zu ihrem Beruf: Sie studierte an der katholischen Fachhochschule in Köln Sozialarbeit, ist Mediatorin und hat eine Kienbaum - Schulung für Führungskräfte der Arbeitsagentur durchlaufen.

Ihre berufliche Laufbahn startete sie Mitte der 1990er Jahre. Damals war Jutta Messerschmidt beim Sozialamt und für den Evangelischen Kirchenkreisverband tätig und führte unter anderem am Flughafen Düsseldorf Asylverfahrensberatungen durch, „es war eine Zeit, in der viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen.“ Private Gründe führten sie von Nordrhein-Westfalen nach Hessen und seit 1999 arbeitet sie beim Wetteraukreis. Davon zehn Jahre im Bereich Migration und Jugendhilfe, sieben Jahre als Leitungskraft bei den beiden Jobcenterstandorten Büdingen und Bad Vilbel.

Als mit dem Rückgang der Arbeitslosenzahlen das Jobcenter Bad Vilbel geschlossen wurde, orientierte sich Jutta Messerschmidt neu und trat eine Stelle beim Hessischen Ministerium für Soziales und Integration an: im Bereich Ausbildungs- und Qualifizierung für junge Leute am Übergang Schule und Beruf. Im Zuge der Flüchtlingskrise 2015 wurde sie vom Ministerium für drei Monate nach Gießen abgeordnet und war nun wieder zuständig für unbegleitete minderjährige Ausländer. „Da kam für mich die Frage auf, ob ich im Anschluss daran ins Ministerium zurück gehe oder doch wieder ‚näher an die Menschen‘. Als dann noch die Leitung des Jugendamts beim Wetteraukreis ausgeschrieben war musste ich nicht lange überlegen.“

Vier Jahre Wiesbaden und zurück

Und so war Jutta Messerschmidt nach vier Jahren beim Ministerium wieder „zu Hause“ angekommen. „Ich arbeite gerne beim Wetteraukreis. Sowohl in der Verwaltung selbst als auch im Kreisgebiet gibt es ein gutes Netzwerk, eine gute Art des Umgangs. Ich kann Brücken bauen: intern zwischen den Fachstellen und extern zu den Jugendhilfeträgern. Vieles war mir natürlich vertraut, denn ich kannte ja noch viele Menschen und auch die Einrichtungen, aber durch meine jetzige Rolle stehe ich auch in einem neuen Kontext.“

Morgens um 7 Uhr sitzt sie im Zug von Frankfurt nach Friedberg, geht E-Mails durch, die am Vorabend oder am frühen Morgen eingegangen sind. Dann im Büro die erste Rücksprache mit der Kollegin im Geschäftszimmer. Welche Termine stehen an, was ist in der Zwischenzeit passiert? „Ein Jugendamt muss immer erreichbar sein. Wir haben neun Geschäftszimmer und die Erreichbarkeit ist mit einem Rufkreislauf und der Rufbereitschaft gewährleistet“, erläutert Jutta Messerschmidt.

Arbeit im Verhältnis 90 zu zehn

Einen Fachdienst Jugendhilfe – umgangssprachlich: Jugendamt – zu leiten, ist vor allem eine strategische Aufgabe. Gefühlte 90 Prozent ihrer Arbeitszeit verbringt Jutta Messerschmidt daher in Besprechungen, Ausschüssen und Arbeitskreisen, die ein weites Themenfeld abdecken: Von Frühen Hilfen, Kindertagespflege und Kinderschutz über Elternkurse und Unterhalt bis zur Teilhabeassistenz und Sozialarbeit in Schulen. „Mit den anderen zehn Prozent bin ich auch in Einzelfälle involviert, denn bei mir landet alles, was eskalieren könnte. Und ich muss das Personal des Fachdienstes steuern, mich zum Beispiel um Neueinstellungen und Vertretungsregelungen im Jugendamt kümmern.“

„Ich verstehe mich als Brückenbauerin zwischen den Fachstellen“, sagt sie und erklärt, was sie meint. „Eine alleinerziehende Mutter kann mit unterschiedlichen Stellen des Jugendamtes zu tun haben: mit der Kindertagespflege, wenn das Kind noch klein ist; mit der Unterhaltsvorschusskasse, wenn der Kindesvater nicht zahlt; mit der Fachstelle Jugendarbeit, wenn ihr Kind an einer Freizeit teilnimmt; mit der Erziehungsberatungsstelle, wenn es im Erziehungsalltag Probleme gibt, mit dem Allgemeinen Sozialen Dienst, wenn Bedarf an Hilfen zur Erziehung besteht. Wenn es zu Abstimmungsproblemen kommt, die die Fachstellen untereinander betreffen, dann bin ich gefragt.“

Der Job von Jutta Messerschmidt ist vielfältig, herausfordernd und spannend, und wenn sich etwas in den letzten Jahren stark verändert hat, dann das Tempo und die Bandbreite. Und falls Berufsanfänger jetzt abschreckt sind? „Einfach starten“, rät sie.

veröffentlicht am: 08.01.2020

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